Morgens um halb zehn in Palma

Der Mann vom Nordpol

Juli 25, 2016 0 comments

CSC_1553Die Putz- und Kehrmaschinen brummen durch die Sraßen, vor dem großen Run ab 10 Uhr. 27 Grad im Schatten – noch ist es schön und angenehm. In der Markthalle stapeln sie die Kisten, ordnen Äpfel, Nektarinen, Kaffee gibts neben Hackfleischklößchen. Ich brauche einen Kaffee, am besten in einer richtig schönen typischen Bar, mit Fernseher, Flipper oder wahlweise einem Automaten mit bunten Stofftieren und Greifarm. Ich werde fündig in der Calle Olmos, im Epizentrum der Touristen. Die schlafen aber alle noch. Jetzt regiert das normale Volk. Jeder sitzt ruhig an seinem Tischchen, die Tageszeitung wird geschnappt nach einem freundlichen Gruß beim Eintreten in die Bar. Ein Mann rollt im Rollstuhl an den Tisch neben mir, ein Bierchen und Zigartette für seinen Start in den Tag. Das Wechselgeld steckt er praktischerweise in den Prothesenstumpf. Ich schaue interessiert zu. Der Kleine 2-Jährige rechts neben mir findet den Sonnenschirm dafür viel spannender, wird geherzt und bonbon genannt von einer älteren Dame. Ein Lächeln von ihm als Dankeschön. Ich lese mich in den Tag, das Attentat in München wird groß thematisiert, aber auch die Tänze auf den Dörfern kommen nicht zu kurz, das Wasser wird knapp auf der Insel, Mallorca ist im Vergleich zu Bulgarien als Urlaubsort teuer – das haben englische Medien rausgefunden. Mein café con leche kostet mich 1,50 Euro, was ich völlig in Ordnung finde. Lecker ist er auch noch. Zu Hause steigt mein Nachbar in Rennradmontur die steilen Stiegen hinab, das Rad geschultert. „Das ist der schlechteste Ort der Welt, um ein Fahrrad zu haben“, sage ich zu ihm, und meine das enge Treppenhaus. Er kontert: „der zweitschlechteste Ort für ein Rad. Ich komme vom Nordpol. Das ist der schlechteste.“ Da kann ich schlecht widersprechen. Das Nordlicht freut sich auf eine stramme 80 km Tour durch die Berge, die angekündigten 34 Grad, die können ihn mal.

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