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Bésame mucho

März 3, 2017 2 Comments

Sie steht stocksteif da, als hätte sie einen Besen verschluckt. Nur langsam scheint sie wieder zur Besinnung zu finden, ihre Gesichtszüge beginnen, sich zu lockern und ihre Schulterblätter entkrampfen langsam. „Jetzt hab dich nicht so”, sage ich zu ihr. Aber sie blickt drein, als hätte sie ein Gespenst gesehen. Nein, sie wurde weder überfallen noch erschreckt. Sie wurde „nur” geküsst. Von einem Fremden!

Dabei hatte es der spanische „Küsser” weder auf ihre Lippen abgesehen, noch kam seine Zunge zum Einsatz. Er hat ihr nur zwei „Bussis” gegeben, eins auf jede Wange, zur Begrüßung, so wie man das eben macht in Spanien. Aber meine Bekannte kommt aus Garbsen. Das liegt neben Neustadt am Rübenberge. Eine Gegend, in der schon die Ortsnamen klingen, als ob man sich dort nicht gerne küsst.

Überhaupt ist es in Deutschland eher unüblich, sich zur Begrüßung zwei Wangenküsse aufzudrücken, jedenfalls nördlich der Mainlinie. Dazu noch bei einem Wildfremden? – undenkbar! Dabei hat sich gerade auf deutschem Boden einer der wohl berühmtesten Begrüßungsküsse der Geschichte abgespielt: Der legendäre sozialistische Bruderkuss zwischen DDR-Chef Honecker und dem sowjetischen Staatschef Leonid Breschnew. Auf Dauer hat sich die Leidenschaft dafür offenbar nicht durchsetzen können.

Hier in Spanien hingegen wird kräftig „gebusselt.” Wann immer man jemandem vorgestellt wird, gibt’s zwei Schmatzer auf die Backen. Das ist am Anfang schon etwas befremdlich. Allerdings ist es für die Einheimischen ebenso befremdlich, wenn man sich dieser Geste der Zuneigung mit angewidertem Gesicht widersetzt oder sie nur in Schockstarre über sich ergehen lässt. Hier ist man eben einfach körperlicher. Man berührt sich, man umarmt sich, man küsst sich, auch im „normalen Alltagsleben, nicht nur abends, betrunken in der Disco. Am besten man entspannt sich, und lässt sich einfach darauf ein, es ist gar nicht so schwer.

Und allen Deutschen, die damit überhaupt nicht klarkommen, sei geraten, sich bei dem vielen Knoblauch in spanischen Gerichten nicht zurückzuhalten, eine andere Chance, der Küsserei zu entgehen, ist nicht in Sicht.

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2 Comments

Kinga März 22, 2017 at 7:17 pm

Also ich fürchte in gewissen Kreisen südlich der Mainlinie gehört so eine Begrüßung zum guten Ton. Schon mal von Bussi-Bussi Gesellschaft gehört?

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Mallorca-inselgeschichten Juli 24, 2017 at 7:01 am

Das stimmt. Aber der bussi hier ist doch eindeutig netter, oder?

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