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Das blühende Gold

Februar 2, 2017 0 comments

Die Winterstürme sind gerade gerade vorüber. Eigentlich denkt da kein Mensch an Frühling, an milde Temperaturen und noch weniger an zarte, weiß-rosane Blüten, die sich langsam aus den Knospen schälen. Doch die Mandelblüte ist ein wenig anders als andere Blüten. Sie trotzt dem Winter, sie ist die erste, die sich zeigt und die viele Touristen auf die Insel lockt.

Wer behauptet, nur Japaner seien Selfie-Fans, der irrt. „Mallorquinische Paare lieben es, sich unter einem blühenden Mandelbaum knipsen zu lassen. Gerade bei älteren Paaren ist es ein Klassiker“, erzählt der Mallorquiner Sebastià Ginard Adrover.

Ich mag Mandeln besonders im Kuchen  oder einfach ganz frisch im Müsli oder einfach so zum knabbern. Beim Thema Mandel tun sich bei den meisten Menschen positive innere Bilder auf: Mandelaugen, Weihnachtsdüfte oder leckerer Likör. Besonders jetzt im Februar locken Postkartenmotive mit weißer oder rosa Blütenpracht vor knallblauem Himmel und schneebedeckten Bergen Urlauber an. Ausflugspakete wie „Frühlingserwachen im Blütenzauber“, bei dem in einer mehrtägigen Busreise die schönsten Felder angefahren werden, sind ein Versuch, die Bäume in weißer Pracht touristisch zu vermarkten. Ein boomendes Geschäft ist der Mandelblütentourismus dennoch nicht. „Die Nachfrage zu Reisen in der Zeit der Mandelblüte ist leider rückläufig“, sagt Susanne Stünckel, Pressesprecherin bei Tui Deutschland.

Mandelbäume galten früher als das Gold Mallorcas

Das frühere „Gold“ der mallorquinischen Landwirtschaft ist in einem grundlegenden Wandel. Die Fläche, auf denen Mandeln aktiv kultiviert werden, schrumpft. Von den zirka 24.400 Hektar Fläche auf denen Mandelbäume wachsen,  werden rund 15.000 bis 16.000 Hektar aktiv bewirtschaftet, Tendenz sinkend. „Pro Jahr sind es zirka 1000 Hektar weniger,,“ sagt Gabriel Torrents der Unió de pagesos de Mallorca, des kritischen Bauernverbandes. Auf Mallorca wird der traditionelle Trockenanbau betrieben, das bedeutet, dass die Bäume nicht bewässert werden, sondern sich das Wasser, das die Regenfälle im Winter und Frühjahr bringen, aus der Erde ziehen. Voraussetzung, dass dies gut gelingt, ist regelmäßiges Pflügen und Harken, „zwei- bis dreimal pro Jahr sollte es sein, damit die Erde locker ist und die Nährstoffe an die Wurzeln gelangen“, sagt Torrents. Das Unkraut muss ebenfalls regelmäßig gejätet werden, sonst „schnappt“ es dem Baum die Nährstoffe weg. Mallorcas Erde ist kalkreich und eher nährstoffarm, doch der autochthone Mandelbaum ist ideal für die Umgebung und das Klima geschaffen. Zum traditionellen Anbau gehört ebenfalls, dass die Bäume mit dem Getreideanbau und den Weidetieren in einer gut funktionierenden Symbiose leben. Der Baum wurzelt weit in der Tiefe, während die Getreidewurzeln um den Baum herum die Nährstoffe näher unter der Erdoberfläche finden. Schafe und Ziegen grasen unter den hohen Bäumen, deren Blätter für die hungrigen Mäuler nicht erreichbar sind“, erklärt Miquel Serra von APAEMA, dem Verein für ökologische Landwirtschaft.

Manche leuchten eher rosa, hier vorm Galatzó.

Die Konkurrenz schläft nicht

Was dieser Idylle jedoch das Leben schwer macht, ist nicht nur der klimatische Wandel, den der Mandelbaum spürt und der die Bäume in den letzten Jahren weniger widerstandsfähig hat werden lassen. Es ist vor allem das Preisdiktat des Weltmarktes. Australien und die USA bauen im großen Stil an, mit bewässerten Plantagen und vor allem einem: der Masse, die sie auf den Markt werfen. Entsprechend wirken sich diese Absatzmärkte auf den internationalen Preis aus. 2007 bis 2012 waren magere Jahre für die Bauern. Durchschnittlich drei Euro pro Kilo für die reine Mandel, also ohne Schale, erhielt der Landwirt. 2012 bis 2013 waren es fünf Euro pro Kilo, „das hat die Kosten gedeckt“, sagt Torrents. War der Mandelanbau um die Jahrhundertwende ein ertragreiches Geschäft, so ist der Wettbewerb durch die Globalisierung für Mallorcas Bauern hart geworden. China und Indien haben den Bedarf an Mandeln in die Höhe getrieben. Intensiver Anbau mit vielen Bäumen pro Hektar, wie in den USA und Australien, beeinflusst die Preise. Die stark parzellierten Anbauflächen Mallorcas ermöglichen weit geringere Erträge, 100 bis 120 Kilo pro Hektar. „Um die Bauern zu unterstützen, gab es bis vor zwei Jahren Subventionen durch die balearische Regierung, zirka 40 Euro pro Hektar“, sagt Andreu Juan Serra, Leiter des Landwirtschaftsverbandes. Einen durchschlagenden Erfolg habe das nicht gebracht.

Das Nötigste machen

Viele Landwirte vernachlässigen daher diesen Bereich, stutzen die Bäume selten und pflügen die Erde nur noch einmal pro Jahr. Auch junge Bäume werden kaum gepflanzt. „90 % der mallorquinischen Mandelbäume sind älter als 50 Jahre“, sagt Andreu Serra. Die Folge: Der Baum wird anfälliger für Krankheiten, die Mandeln schmecken weniger intensiv. Die langen Trockenzeiten vom Frühjahr bis in den Herbst schwächen die Bäume ebenfalls. „Besonders in der Gegend des Levante leiden die Bäume an Pilzbefall. Das Holz trocknet von innen aus und kann kein Wasser speichern. Das einzige was hilft, ist eine bessere Pflege des Baumes, um ihn widerstandsfähig zu machen“, sagt Miquel Serra.

Eine klare Prognose zur Zukunft des Mandelbaums möchte keiner der Akteure abgeben. Worin sie sich jedoch relativ einig sind: Wenn sich die Absatzwege nicht verändern und der Kilopreis niedrig bleibt, ist die Zukunft des Mandelanbaus ungewiss. Jetzt blühen sie aber gerade, und die Berge leuchten weiß.  Ich weiß schon, was ich am Wochenende machen werde. Mit dem Motorroller losziehen und ein wenig auf Blütenschau gehen.

 

 

 

 

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