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Auf & DavonHomeMorgens um halb zehn in Palma

Das Meer hat gerufen. Und alle kamen

Mai 5, 2020 0 comments

Samstagmorgen, 2. Mai, halb acht. Seit heute dürfen die Menschen in Spanien in bestimmten Zeiten nach draußen. Sie dürfen rennen, springen, Liegestütze machen, Kayak fahren und sogar Surfen. Was sie nicht dürfen, ist einfach entspannt auf das Meer schauen. Denn das ist kein Sport.

Ich konnte es mir nicht nehmen lassen, am ersten Tag der Lockerungen auch Richtung Wasser zu gehen. Ich schnappe mir mein Fahrrad und radel zum Meer. Der schmale Radweg, der Palmas Strandpromenade entlangführt ist auch in normalen Zeiten eine Herausforderung. Heute, obwohl noch früh, habe ich den Eindruck, an einem Volkslauf teilzunehmen. Jogger und Walker soweit das Auge reicht, Radfahrer, Skater, die kleinen Schaumkronen der Wellen sind gespickt von schwarzen Neoprenanzügen der Surfer.

Ich hatte mich so auf diesen Moment gefreut, hatte große Lust auf Meerluft und weiten Horizont. Jetzt, nach wenigen Metern, bin ich grenzenlos ernüchtert. Es ist nicht erholsam, dieser erste Ausflug. Die vielen Menschen stressen mich und ich frage mich: geht so „social distancing“? Haben wir 7 Wochen eingesperrt verbracht, um jetzt kurzerhand alles aufs Spiel zu setzen?

Spanien wird zur Nation der Frühsportler.

Ich stelle mich dann ein Stück weiter doch ans Wasser, halte die Füße ins Meer und lasse das als Frühsport durchgehen. Eine Frau neben mir macht Tai Chi, andere waten am Strand entlang, aber der Sand ist weitgehend leer, die meisten traben auf der betonierten Uferpromenade.

Das Hinausblicken aufs Meer tut gut. Trotzdem bleibe ich nicht lange, so richtig kann die Anspannung, man könnte von der Polizei weggescheucht werden, sich nicht abschütteln lassen. Ich nehme mein Rad und drehe um Richtung Zuhause. Ich bin traurig. Und fast auch ein bisschen wütend. Auf wen? Auf vieles, auf viele. So schnell werde ich hier nicht mehr herkommen, nehme ich mir vor.

Am nächsten Tag wähle ich die leereren Seitenstraßen zwischen den Häusern, wage einen Blick in einen der Stadtparks. Auch hier ein ähnliches Bild. Die Menschen rennen um die Wette. Ich mache kehrt.

In der Ruhe liegt die Kraft. Tai Chi im Stadtpark Sa Riera in Palma

Mich zieht es nach draußen. Ich möchte in die Natur, aber nicht nur im Radius von 1 km oder der eigenen Gemeinde, die bei mir die Stadt Palma bedeutet und daher wenig Grün bereit hält. Ich kann diese zeitlich begrenzten Regeln nach den ersten Tagen überhaupt nicht nachvollziehen, besonders nicht für alle „nicht-über-70-Jährigen“, denn jeder macht ja doch was er will und in den Zeitfenstern staut sich die Masse.

Heute war ich kurz an der Stadtmauer, habe auch hier auf das Meer geschaut. Um mich herum ein paar wenige Menschen. Sie saßen zu zweit oder dritt zusammen – auch das ist eigentlich noch nicht erlaubt. Dann kamen zwei Polizisten auf ihren Motorrädern herangerollt. „Bewegen wir uns“, (nos movemos!) forderten sie uns auf; und es war nicht als Frage gemeint.. Wie eine aufgescheuchte Kinderschar mussten alle ihre Plätze verlassen. Hauptsache bewegen? Ist das sicherer? Stecke ich mich eher an, wenn ich in gutem Abstand oder sogar alleine einfach nur dasitze?

Auch dieser Abend endet bei mir mit einem bitter-sauren Gefühl. Ich bin es leid, wie ein unmündiges Kind behandelt zu werden. Von Polizisten aufgescheucht zu werden, die mit uns in der „Wir-Form“ reden.

Wenige Leute saßen friedlich an der Stadtmauer; bis die Polizei kam.

Mit Sorge sehe ich die ersten Tage der Lockerungen. Bald dürfen sich bis zu zehn Menschen treffen, auch Cafés können 50 Prozent ihrer Plätze belegen. Eine Bekannte meinte schon: „Zehn? Wir allein in meiner Familie sind schon mit allen Personen 15. Natürlich treffen wir uns alle, wäre ja noch schöner, wenn da jemand ausgelassen würde. Wir haben jetzt genug ausgehalten.“ Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Beziehungsweise, ich wusste es sehr genau. Am liebsten hätte ich gesagt: „seid ihr noch zu retten? Was sollte dann der ganze Zauber der letzten Wochen, wenn wir jetzt alles über den Haufen werfen? Warum könnt ihr euch nicht etwas zusammenreißen? Ich wäre jetzt auch gerne bei meiner Familie, würde gerne alle umarmen und sehen, die abgesagte Familienfeier nachholen.“

Aber ich sage es nicht, zumindest nicht in dieser Deutlichkeit. Sonst gelte ich noch als die schreckliche Deutsche, die das spanische Lebensgefühl nicht verstanden hat. Aber so wie meine Bekannte denken viele. Ja, wir haben einiges ausgehalten. Aber das war erst der Anfang. Jetzt kommt die eigentlich Disziplinübung.

Ich bahne mir meinen Weg durch die Menge Richtung Wohnung und schließe hinter mir fast erleichtert die Tür.

Jeder will ab 20 Uhr nach draußen. Aber kann das funktionieren?

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