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Der Faden und die Maus

Januar 23, 2017 0 comments

Manche Leute werfen mit Redewendungen nur so um sich. Ohne Fließ kein Preis, Ende gut alles gut und so weiter und so weiter…Aber warum heißt es im Deutschen“ Ohne Fleiß kein Preis“ und im sinngemäß gleichen Ausdruck auf Spanisch lässt sich eine Garnele treiben? Was haben der Spatz, die Meise und der Hering gemein? Redewendungen und Sprichwörter gibt es in allen Ländern, manche sind ähnlich, manche passen nur zu einem Land. Doch gemein ist allen: der Inhalt ist zeitlos. Ich habe mich ein wenig umgehört, in Spanien und Deutschland. Dabei drang Spannendes an mein Ohr…

Mein Tipp, reist bei eurem nächstn Urlaub „leicht“ und probiert es einmal hiermit: Statt schwerem Olivenöl und deftiger Sobrassada könnt ihr euren Lieben daheim folgendes Souvenir mit: Einige luftig-leichte Redewendungen und landestypische Weisheiten, die garantiert keinen Platz im Koffer oder Handgepäck rauben.
Aber man soll den Tag ja nicht vor dem Abend loben oder, wie es hier in Spanien heißt, das Fell des Bären verkaufen, bevor man ihn erlegt hat (No hay que vender el piel del oso antes de haberlo matado). Schließlich gelten „andere Länder, andere Sitten“. „Und nicht selten wurde manch einer bei der Gepäckkontrolle übers Ohr gehauen oder ihm eine Katze für einen Hasen verkauft (Dar gato por liebre).“ Wenn sich der ein oder andere Flughafenmitarbeiter dem „Rauch hingibt“ (Darse humos) – sprich „wichtigmacht“, kann man schon mal den Kopf verlieren. Umso mehr freut man sich, wenn ein freundlicher Beamter ein, oder sogar beide Augen zudrückt. Die Spanier machen es umgekehrt – „Hacer la vista gorda.“

Sprichwörter sind Kulturgut und fest verankert

Sprichwörter und Redensarten, ein Sprichwort bildet im Gegensatz zur Redensart einen vollständigen Satz, sind Kulturgut und in unserem Alltag fest verankert – praktisch, knackig kurz und manchmal ein wenig belehrend. Sie wecken Bilder und Assoziationen und schaffen es, mit wenigen Worten ein ganzes Konzept zu zeichnen. Manchmal ein wenig hart und unerbittlich, dann wieder verspielt und landestypisch. Viele sind so geläufig, dass wir sie gar nicht mehr als Sprichwörter wahrnehmen, andere so selten und philosophisch, dass sie eine genauere Erklärung brauchen. Sprichwörter sind universell und doch je nach Land manchmal unterschiedlich. Der deutsche Spatz in der Hand ist in Russland zum Beispiel eine Meise, in Dänemark gar ein Salzhering und in Spanien ein unbestimmter Vogel. Die deutsche Made im Speck ist in Spanien eine Biene in der Blüte.

„Das tolle bei Sprichwörtern ist, dass sie eine Erfahrung in einer kurzen Formel auf den Punkt bringen“, sagt Axel Krohn, Autor und Journalist. Er unterteilt die Sprichwörter in drei Hauptgruppen. Die zeitlosen internationalen Klassiker, die von aller Welt verstanden werden und Jahrtausende überleben. Die Würfel sind gefallen (Alea iacta est), der Ausspruch von Cäsar, ist so ein Klassiker. Dann gibt es „Eigengewächse“ der einzelnen Sprachen. Diese Sprichwörter zeigen ganz typische lokale Eigenarten. „Das ist mir schnuppe“ – das ist mir egal, ist ein Ausdruck, der ab 1850 in Berlin verwendet wurde. Die Schnuppe ist das verkohlte Ende eines Kerzendochts. Wenn einem etwas schnuppe ist, dann hat es so viel Wert wie der verkohlte Docht – nämlich nichts.

Andere Länder, fast gleiche Inhalte

Die sicherlich größte Gruppe machen Redewendungen aus, die sich unabhängig voneinander in mehreren Ländern entwickelt haben und sich inhaltlich stark gleichen, aber landestypische Symbole oder Gegenstände enthalten. „Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach“ ist so ein Sprichwort. Der Inhalt ist der gleiche, die Tiere ändern sich. Wo man in Deutschland sagt „die Welt ist ein Dorf“ bevorzugen die Spanier ein Taschentuch. „El mundo es un pañuelo“. Selbst wer den Ausdruck nicht kennt, versteht trotzdem sofort, was gemeint ist.


Wie nah sind sich Deutschland und Spanien in der Welt der Sprichwörter? Es gibt gewisse Eigenarten, die man einem bestimmten Volk zuordnet“, so Krohn, „so gibt es z.B. im Deutschen viele Sprichwörter zum Thema Pünktlichkeit, Fleiß und Ordnung“. Klischees machen also auch vor Redewendungen nicht halt. „Allerdings sind diese Weisheiten im Laufe der Jahrhunderte gewandert, sodass sich Sprichwörter wie ‘Der frühe Vogel fängt den Wurm’ oder ‘Morgenstund hat Gold im Mund’ heute in vielen Sprachen wiederfindet.“


Das Sprichwort „Eine Garnele, die schläft, wird vom Strom davon getragen“ (Camarón que se duerme, se lo lleva la corriente“) ist eines von Krohns Lieblingssprichwörtern. „Das klingt doch viel sympathischer als „Ohne Fließ kein Preis“. Wo er recht hat, hat er recht – oder anders ausgedrückt: Da beißt die Maus keinen Faden ab.

 

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