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Ein Traum für Fahrradfreaks

August 30, 2016 1 Comment

Wäre ich vier Jahre alt, hätte ich sicher laut „Nochmal, nochmal“ gerufen. Die Abfahrt war einfach so genial…aber den Berg hinunterbrausen bedeutet ja meistens auch, ihn erst einmal zu erklimmen. Aber der Reihe nach.

Wer auf Mallorca lebt, der bekommt öfter zu hören: Ja, ja, dort leben, wo andere Urlaub machen. Und da einen hier auch der Alltag einholt, habe ich mich an diesen Spruch erinnert und mir eine escapada, einen kleinen Ausbruch aus dem Alltag, verordnet. Mein Rad, das ich mit etwas Mühe von einem runtergerittenen gebraucht-Esel mit der Ansage „nur zwei Jahre alt“ zu einem ganz ordentlichen Rad aufgemöbelt hatte, wurde mir vorletzte Woche gestohlen. Fahrradfreunde unter euch: leider, leider werden in Palma sehr gerne Räder geklaut. Trotz dicken Schlosses, trotz angekettet an eine Laterne…da scheinen hartgesottene Profis am Werk zu sein. Ein neues Rad musste her und dieses wollte ich gerne endlich einweihen und schauen, was es im Gelände kann.

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Zwischen Selva und Caimari

Ich hatte Lust auf etwas Berge und Meer, zum Abkühlen. Zwei Nächte wollte ich wegbleiben, das Gepäck sollte minimal bleiben. Also reservierte ich sehr kurzfristig in einem Refugio bei Lluc und der Jugendherberge auf der Halbinsel La Victoria – in der Hochsaison im August scheinbar kein Problem, packte das Nötigste ein und fuhr mit dem Zug am Samstag bis Inca.

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Der erste Leichtsinnsfehler bescherte mir ordentliche Kopfschmerzen. Kleiner Tipp: im August nicht in der Mittagshitze den Berg nach Lluc hochfahren. Obwohl der Weg wunderbar schattig ist – die meiste Zeit – die Temperaturen sind einfach extrem und man kann noch so viel trinken, der Körper ist einfach geschlaucht. Ich fuhr also um 12 Uhr die steilen Kehren hoch. Kurve um Kurve. Dann, als ich dachte, jetzt eine Art Plateau erreicht zu haben, kam das nächste Schild mit dem Kurvenzeichen. Weiterschnaufen, weitertreten, nicht zu viel nachdenken. Die Rennradfahrer rasten fröhlich von oben nach unten an mir vorbei. Einige lächelten freundlich und hoben die Hand zum Gruß.

Aber jede Strapaze endet und ich kam ebenfalls oben an. Kleiner Abstecher nach Lluc runter und dort entdeckte ich einen wunderbaren netten botanischen Garten neben einem Schwimmbad. Wer die Strecke gefahren ist, weiß, wonach man sich in so einem Moment sehnt: Wasser!!! Klar und frisch. Und das war es.

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Ich hatte im Refugio Son Amer reserviert, fantastisch gelegen mit Blick ins Tal. Alleine reisen bringt häufig schöne Begegnungen. So auch hier. Ich lernte Maria kennen, eine Katalanin, die sich durch die Berge Mallorcas „treiben“ lässt, hier und da ihre Isomatte ausrollt und unterm Sternenhimmel campiert. Das hatte ich mir ja eigentlich auch überlegt, am Ende dann aber nicht getraut. Jetzt beneidete ich sie ein wenig um diese Freiheit. Ich teilte das Zimmer mit mehreren Familien, kleinen Kindern und Wanderern. Aber ich staunte – trotz der vielen Menschen war die Nacht relativ ruhig. Eine nicht so nette Überraschung hatte ich abends, als ich mein Rad reinstellen wollte. Der Vorderreifen war platt, platter ging nicht mehr. Mein Flickzeug hatte ich zwar eingepackt, stellte dann aber fest, dass der Kleber für den Flicken ausgetrocknet war. Es half nichts, zuviel nachzugrübeln. Ich konnte jetzt eh nichts tun sondern genoss das leckere Abendessen, setzte mich raus und sah der Sonne beim Sinken zu.

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Am nächsten Morgen…

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Frühstücksplatz der besser nicht sein könnte

Am Ende ging es ganz fix, die Tankstelle oben bei der Ankunft vor Lluc ist mit Werkzeug ausgestattet, viele Rennradfahrer machen hier Rast und so traf ich zwei hilfsbereite Engländer, die mir einen selbstklebenden Flicken organisierten. Das Rad war schnell wieder startklar und hält bis jetzt. Und jetzt konnte endlich der wunderschöne Teil der Strecke beginnen.

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Hinten schimmert das Meer. Anhalten und die Aussicht genießen ist quasi ein Muss.

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Die Straße zwischen Lluc und Pollensa ist ein Traum, wenig bis kein Verkehr am Morgen, am Anfang leichte Steigung aber dann nur noch leichtes Auf- und Ab, vorwiegend Ab und mit weitläufigen Kurven, sodass man das Rad wunderbar laufen lassen kann. In der Ferne glitzerte irgendwann das Meer.

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Ein Gutes hat es, im August eine solche Tour zu machen. Meine Lieblingsfrucht ist reif. Die Feige. Und da es viele scheinbar verwilderte Bäume gibt, von denen die überreifen Früchte schon herabgefallen sind, musste ich einfach zwischendurch anhalten und ein wenig Mundraub begehen. Ein paar klitzekleine Brombeeren kamen noch dazu. In Pollensa machte ich einen Schlenker zur Cala San Vicente.

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Mein Tipp: Am besten morgens hingehen und wer gerne von Felsen springt, zwischen die erste und zweite Bucht gehen, dort ist ein Felsen mit Steintreppen bis runter ins Wasser. Viel Schatten ermöglicht es, länger zu bleiben. Die kleinen Jungs um mich rum nahmen Anlauf und sprangen die zirka 9 Meter in die Tiefe. Ich wagte mich von zirka 4 Metern runter. Das Wasser ist glasklar, Fischschwärme schwirren rum, wer gerne schnorchelt wird es lieben. Auch hier merkte ich: wer alleine reist, ist offener. Ein kleiner Plausch beim Baden, eine direkte Einladung zum Mittagessen, gute Tipps, wie man einen Seeigelstachel am besten entfernt. Antwort: Gar nicht, sondern „zertrümmern“ und die Splitter werden dann von selbst vom Körper abtransportiert. Das klingt ja verlockend.

Aber ich wollte ja noch weiter. Mein Ziel für den 2. Tag war die Halbinsel La Victoria. Easy, dachte ich. Kilometertechnisch ist das alles gut machbar. Aber die Hitze! Und meine Beine waren vom Vortag wohl doch noch etwas müde. Das letzte Stück zog sich gefühlt für mich hin. Als mich eine Frau auf ihrem normalen „Damenrad“ locker überholte und auch weiterhin den Abstand vergrößerte, wurde mein Ehrgeiz noch einmal angestachelt und ich versuchte, mitzuhalten.

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Ab 17 Uhr wird es dann auch wieder angenehmer, das Licht wird sanfter und das Fahren macht deutlich mehr Spaß. In der Herberge, die ein wenig wie ein großer sozialistischer Bau am Hang prangt, wurde ich nett empfangen. Die Herberge mit über 200 Betten war quasi menschenleer. Ein mallorquinisches Ehepaar und eine kleine Gruppe aus La Rioja und ich waren die einzigen Gäste. Mein Zimmer mit Meerblick gehörte demzufolge mir allein. Nach der Ankunft war ein kleiner Abstecher zum Strand direkt gegenüber der Herberge ein Muss. Nicht ganz so klar wie in Cala San Vicente, aber auch noch im August schön erfrischend.

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Am dritten Tag wollte ich zurück. Aber natürlich musste ein Bad im Meer vor dem Frühstück noch einmal sein. Wann hat man schon das Meer für sich? So glatt und klar…also rein und wach werden. Und dann mit Kaffee, Saft, Obst und Cornflakes stärken. Die letzte Hürde nach Sa Pobla nehmen – mickrige 20 Kilometer laut google maps. Womit ich dann gar nicht gerechnet hätte, kurz hinter La Victoria prasselt es plötzlich runter. Nicht ein paar Tropfen, nein, es schüttet, so richtig. Ich werde klatschnass und kann mich gerade noch unter einen Balkon retten.

 

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Landschaftlich nicht ganz so nett wie die bisherige Strecke. Am Anfang muss man an den etwas gesichtslosen Touristenzentren von Alcudia Richtung Can Picafort vorbei, bis es durch die Albufera-Fläche landeinwärts geht. Die Landschaft wird kurz vor Sa Pobla trocken und flach. Heuballen hier und da, der Duft nach Kartoffeln beim Einfahren in den Ort.

Die Plaza finde ich schnell und muss mir jetzt einfach was Gutes tun. Eine tapa mixta mit pica pica (schön picante) und einem kühlen Radler. Puhh! Ich bin geschafft. Würde es aber auf jeden Fall noch einmal tun und plane schon die nächste Tour. Vielleicht erst Ende September, die Strecke Lluc nach Soller sieht verlockend aus, wenn es nicht ganz so mörderisch heiß ist.

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So! Das musste jetzt sein.

Streckenverlauf: Bis Inca mit dem Zug (das Rad fährt gratis mit), ab dann Selva, Caimari, Lluc, Pollensa, Abstecher Cala Vicente, Alcudia, La Victoria, Puerto Alcudia und Sa Pobla. Ab dort fährt der Zug zurück nach Palma. Zwischen Pollensa und Alcudia gibt es wenig Schatten, die Mittagshitze für diesen Abschnitt besser vermeiden. Zwischen Inca und Lluc und Lluc und Pollensa spenden die Bäume angenehme Kühle, allerdings auch je nach Tagszeit schattenabhängig.

Die Tankstelle oberhalb von Lluc hat Werkzeug, Pumpe und einige Sachen wie Kettenöl zur freien Benutzung auch außerhalb der Öffnungszeiten. Es gibt viele Radfahrer auf der Strecke, die bei einem Platten gerne aushelfen. Einen Ersatzschlauch im Gepäck dabei haben, empfiehlt sich.

Unterkunft: Die Refugios oder Albergues sind häufig modern (Refugio Son Amer), haben große Schlafsäle und kleinere für Gruppen. Reine Übernachtung kostet in Son Amer 11 Euro, Abendessen 8 und Frühstück 5. Das ist dafür reichlich und lecker. Die Albergue in La Victoria ist eine Jugendherberge im klassischen Sinn. Kein Rauchen oder Alkohol auf dem Gelände, dafür Meerblick aus jedem Zimmer und eine Traumlage. Übernachtung mit Frühstück kostet hier 19 Euro, es kann bis zu Vollpension gebucht werden.

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1 Comment

Barbara August 30, 2016 at 2:19 pm

Schöner Bericht! Das macht Mut öfter einmal was alleine zu unternehmen, 😀

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