Alltagsperlen

Es müssen nicht Männer mit Bärten sein

Mai 20, 2016 1 Comment

Die gute alte Gleichberechtigung! Jetzt wollen die Frauen auch tanzen. Bei den typischen mallorquinischen Tänzen, den cossiers, die in Alaro, Manacor, Algaida oder Montuirig getanzt werden, wirbeln Männer in Frauenkleidern durch die Gegend. Eine „dama“, häufig bärtig und auch sonst eher haarig, versucht den Teufel zu bezwingen. Ein ehemaliger heidnischer Fruchtbarkeitstanz – so ganz genau weiß man das nicht, woher er kommt, hat jetzt für hitzige Gemüter gesorgt. Schluss mit den tanzenden Männern in Frauenkluft! Alaro hat beschlossen, dass ab August, und zwar beim Dorffest Sa Roca zum ersten Mal auch Frauen die dama tanzen dürfen.

Ich war bei den Proben dabei…

Am Ende kam ich mir vor wie bei Shakespeare: much a do about nothing! Viel Lärm um nichts…aber scheinbar kleine Themen können sich auf der lokalen Ebene eben doch groß anfühlen. Fakt ist, ab jetzt dürfen Frauen in Alaró mittanzen. Die meisten scheinen das ganz in Ordnung zu finden. Einige Traditionalisten, darunter auch Antònia, neben der ich bei der Probe sitze und die gebannt zuschaut – seit 20 Jahren ist sie dabei – hält nicht viel von dem neuen Schnick-Schnack. Sie ist eine Freundin des Althergebrachten, des Tradierten. Aber sie fügt sich. Die beiden jungen Frauen dürfen im August zum ersten Mal beim Fest des Schutzpatron des Dorfes mittanzen, als dama versteht sich. Dann ist Schluss mit den bärtigen Frauen in weißen Gewändern. Der, der den Teufel tanzt, passt wie die Faust aufs Auge in die Rolle. Die kleinen Locken stehen wirr vom Kopf ab, die Augen lachen schelmisch. Am Ende läuft es bei der Probe auf das hinaus, was alle Spanier lieben. „Foto de grupo!!“ Gruppenfoto. „Campeones, campeones“, rufen die Jungs in der hinteren Reihe. Besonders angespannt scheint die Stimmung tatsächlich nicht zu sein, in dieser geschlechter-gemischten Probe.

 

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Die cossiers sind Tänzer, die heidnische Tänze zirka zweimal im Jahr aufführen. Sechs Männer umtanzen und beschützen die Dame, die in der Mitte tanzt. Ein Teufel, der dimoni, versucht sie zu bezwingen. Das Gute, die Dame, gewinnt am Ende natürlich. Der Tanz wirkt für Außenstehende schlicht bis vielleicht hin zu monoton. Die Tänzer verbinden damit eine tiefe Identität zu ihrem Dorf. Die Farben der einzelnen Trachten haben unterschiedliche Bedeutungen: Himmelblau, Rot und Rosa.

In Alaró tanzen die neuen damas zum ersten Mal beim Dorffest San Roc, im August.

 

 

 

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1 Comment

Marianne Juli 25, 2016 at 10:24 am

Es müssen nicht Männer mit Bärten sein, es müssen nicht Männer sein, die eine Frau spielen!Kommt uns ganz selbstverständlich vor, der Blogbeitrag zeigt aber, wie schwierig es ist, etwas Neues zu installieren, vor allem in einem traditionell geprägten Dorf. Es scheint vielen Menschen wichtig zu sein, fest in einer Gemeinschaft, die weit in die Vergangenheit reicht, verwurzelt zu sein. Wir sind halt Herdentiere! Oder manchmal ein bisschen! Gemeinschaft, Verknüpfung ist wichtig, keiner lebt für sich allein. Danke für den aufschlussreichen, interessanten Bericht!

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