HomeLeib & SeeleUncategorized

Fälschung oder echt?

Oktober 9, 2019 0 comments

Engländer sind pünktlich. Fast noch pünktlicher als Deutsche, scheint es. Die Veranstaltung der Arts Society Mallorca, erstmals in Kooperation mit Cine Ciutat, dem Programmkino in Palma, findet laut der Ankündigung von Cinecitutat um 20 Uhr statt. Die Menschenmenge vorm Kino ist deutlich früher da. Aber das ist auch in Ordnung so, denn das Gelände des ehemaligen Schlachthofs Excorchador hat mit seinem Foodmarket allerhand zu bieten. Der Abend ist auch noch wunderbar lau an diesem 8. Oktober. Also warum nicht einfach schon ein wenig über Kunst fachsimpeln und dabei einen Wein trinken?

Heute geht es um Fakes and Forgeries: The Art of Deception gehen. Fälschungen und Nachahmungen: die Kunst des Verrates.

Die Arts Society Mallorca organisiert regelmäßig spannende Vorträge für Kunstinteressierte

Es geht los, die Menschentraube schiebt sich langsam in den größten Kinosaal. 100 feste Mitglieder zählt die Society, seit gut einem Jahr existiert sie auf Mallorca. Malcolm Kenwood ist eigens aus dem Vereinigten Königreich eingeflogen. Er hat schon manchem Kunstfälscher das Handwerk gelegt. Er ist ehemaliger Polizeiinspektor mit Spezialgebiet Fälschungen auf dem Kunstmarkt.

Malcolm Kenwood (Mitte) begeistert für das Thema „Fälschungen auf dem Kunstmarkt“

Die Technik im Saal will am Anfang nicht so recht, mehrere Anläufe braucht es, bis man sich schließlich auf eine Kombination aus Technik und menschlichem Zuruf für jede neue Seite der Powerpoint-Präsentation einigt. Malcolm Kenwood, der „Speaker“ an dem Abend, fängt es mit gewohnt ironischem britischen Humor auf: „Das war alles echt, keine Fälschung“, sagt er zwischendurch, während er noch versucht, auf den Beamer zu drücken. Das Publikum lacht dankbar.

Ich gebe zu, ich ziehe den Hut vor dem ein oder anderen Fälscher

Malcolm Kenwood, ehemaliger Polizeiinspektor, Spezialgebiet Kunstfälschung

Was Malcolm Kenwood in seinem einstündigen Vortrag extrem kurzweilig und spannend erzählt, lässt einen staunen. „Ich gebe zu, ich ziehe den Hut vor dem ein oder anderen Fälscher“, sagt er. Kunsttechnisch auf extrem hohem Niveau, doch wurden alle Fälscher, die er nennt, erwischt. Darunter eine Familie. Das Bild zeigt zwei Menschen über 80, ein Ehepaar mit Sohn. Sie wohnen bescheiden in einem Ort namens Bolton. „Kein Mensch hätte gedacht, dass hinter der Fassade dieses bescheidenen Reihenhauses die Schaltzentrale internationalen Kunstverbrechens waltet“, sagt Kenwood. Auch sie wurden geschnappt, doch entgingen die beiden Senioren dem Knast. Keiner wollte ein Ehepaar jenseits der 80 aufnehmen, der Sohn saß seine mehrjährige Haftstrafe ab.

Kunstfälschung liegt im internationalen Verbrechen an 4. Stelle, und kostet Millionen, wenn nicht sogar mehr. Wenn man beim Überprüfen eines erstandenen Kunstobjekts auf Nummer Sicher gehen möchte, sollte man die Forensik einschalten. Fingerabdrücke, Haare, die sich in der Ölfarbe des Künstlers verfangen haben, Papierbeschaffenheit etc. können genaue Auskünfte über die Echtheit des Werks geben – doch dies kostet viel Geld. Bisher setzen Museen und Kunstsammler häufiger auf die Meinung von Experten, die sich allerdings auch mal irren können.

Heute Abend im Cineciutat lernt man Einiges über Kunst, über die Rafinessen der Fälscher. Was eine Fälschung und was ein Replik ist. Und man kann sich einer gewissen Bewunderung der Fälscher nicht erwehren. Soviel Detail und Arbeit, die sie in die Verschleierung, die Fälschung selbst stecken. „Viele von ihnen sind „verkrachte“ Künstler,“ sagt Kenwood.

Spannende Vorträge alle zwei Monate

Gehen eine Koopertion ein: The Arts Society Mallorca und Cine Ciutat

Die Arts Society bietet zirka alle zwei Monate thematisch interessante Vorträge an. Im November wird es um Rembrandts Visionen gehen. Sophie Oosterwijk als Expertin ist eingeladen. „Wir sind daran interessiert, auch jüngere Leute für die Arts Society Mallorca zu begeistern“, sagt Vorsitzender Tim Robinson. Kunst ist schließlich für jedes Alter spannend. Da die Gesellschaft aus der Datenbank der „Mutterorganisation“ mit Sitz in England (Art Society) ihre Experten bezieht, sind alle Vorträge auf Englisch. Das mag das spanische Publikum ein wenig abschrecken, immerhin haben sich zwei spanische Damen zu dem Vortrag aufgemacht und genießen im Anschluss an den Vortrag im angrenzenden Restaurant den Wein und die typischen spanischen Tapas, die immer zum Programm gehören.

Mietglieder haben natürlich freien Zugang zu den Vorträgen. Zusätzlich sind einige Auswärtsbesuche zu Gallerien oder Museen geplant. Der Jahresbeitrag beträgt 90 Euro, 170 Euro für zwei Personen, das Gästeticket für einen einmaligen Besuch inkl. Tapas 20 Euro. Enthalten sind im Jahresbeitrag auch vier Arts Society Magazine pro Jahr.

Wer sich für das Programm auf Mallorca interessiert: wwww.theartssociety.org/mallorca

Tel: +34 685 555 954

E-Mail: mallorca@theartssociety.org

Die Mutterorganisation https://theartssociety.org/home

You may also like

Leave a Comment