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Hammam in Palma: Mein Jungbrunnen

Februar 20, 2017 0 comments

Er kommt aus Córdoba. Rafa, der mich freundlich am Empfang des Hammam in Palma begrüßt. Sein südspanischer Akzent ist unverkennbar und der Hammam in Córdoba legendär. Der Hammam hier sei fast genauso, verspricht er mir und F.

Wir möchten es uns heute mal so richtig gut gehen lassen. Ein bisschen auf heißen Steinen chillen, im wohl temperierten Becken abhängen und uns dann von einem Profi eine fantastische Massage verabreichen lassen.

Rafa reicht mir ein weißes kuscheliges Handtuch und ein paar Baumwollslipper mit rutschfester Sohle. Die seien hier Pflicht, meint er. Ebenso Badekleidung, die man aber praktischerweise auch vor Ort ausleihen kann (Badehose 5,00 Euro) Er erklärt mir fix die Hammamregeln, welcher Raum wie wo wann betreten werden sollte, zirka sieben Minuten pro Raum, dann wechseln, Baden, ruhen, schwitzen…ich merke mir nur die Hälfte, denn schließlich bin ich schon ein wenig betört von dem angenehmen Wellnessambiente. Wird schon klappen, denke ich mir und betrete die heiligen Hallen.

Als ich die Tür hinter mir schließe, erklingt eine kleine Zimbel. Der Beginn des Besuchs. Ich ziehe mich um, packe alles in ein Schließfach und trete ein.

Dunkelheit und Ruhe hüllt mich ein, als ich den ersten Raum betrete.

Es ist dunkel. Auf den ersten Blick sogar stockdunkel, bis auf ein paar Lichter und Kerzen, die in den Ecken verteilt flackern. Doch allmählich gewöhne ich mich an das Dunkel und meine Augen machen die Liegeflächen an der Seite und die kleinen Tische davor aus. Eine Frau entspannt im Dunklen, beruhigende angenehme Musik tönt aus den Lautsprechern. Und warm ist es, was ich zu dieser Jahreszeit besonders angenehm finde.

Dieser Adonis räkelte sich bei unserem Besuch nicht in dem Raum…aber vielleicht bei eurem?

Meine erste Hammam-Amtshandlung: Ich lege mich auf die Steine, mache die Augen zu und lasse mich ein bisschen einlullen. Die Tiefenentspannung kommt auch direkt um die Ecke und gesellt sich zu mir. Wunderbar. Sieben Minuten, hatte Rafa zu mir gesagt. Eigentlich sollte ich jetzt direkt den Raum wechseln, aber es ist so schön hier.

Zusammen mit F. steige ich ein paar Minuten später in das Becken, das wir ganz für uns alleine haben. Die große Leuchte hängt tief von der Decke, die Wassertemperatur ist angenehm. Ein bisschen gleiten, ein bisschen sich treiben lassen.

Treiben lassen, plantschen, ausruhen.

Wir halten uns brav an die Hammam-Regeln und steigen nach sieben Minuten aus dem Becken. Das warme Dampfbad lockt. Ich nehme eine der kleinen metallenen Schüsseln und erkläre F., was jetzt mit dem Schälchen passieren muss. „Du gießt dir das kalte Wasser über den Körper, langsam, Körperteil für Körperteil“. F. tut brav, wie Hammamlehrerin Doro ihm sagt.

 

Die Mischung aus warmem Dampf und erfrischendem Wasser tut gut. Die sieben Minuten erfüllen wir auch hier. Aber jetzt nix wie auf das warme Handtuch im Ruheraum. Dort steht Wasser zum trinken bereit, wer möchte, bekommt leckeren Pfefferminztee.

Was ursprünglich als reines Reinigungsritual in arabischen Ländern gedacht war und heute auch noch ist, hat sich zu einer schönen Mischung aus Wellness, Entspannung und Reinigung entwickelt. Der Seiden oder Ziegenhaarhandschuh weicht häufig Kunststoffmaterial und in europäischen Hammams rasiert oder epiliert sich niemand, obwohl dies Teil des Hammamrituals in arabischen Ländern ist. Hier wird mit einem original Kese-Handschuh gerubbelt.

Ich genieße es, auf den warmen Steinen zu liegen, eingehüllt in das Handtuch. So könnte das jetzt ewig weitergehen, aber mich ruft bald eine junge Frau auf. Mein Hammamritual wartet.

Wir steigen die Treppen in den ersten Stock hoch. Ich lege mich auf eine der Liegen und mit sanften kreisenden Bewegungen massiert sie mir den Körper und schäumt mich ein. Immer wieder kippt sie warmes Wasser über mich, damit sich die Poren öffnen. Zuletzt kommt der etwas raue Handschuh „Kese“ genannt. Sie rubbelt und schrubbelt, ein wenig zipt es, tut aber auch gut und meine Haut, die ist im Anschluss danach so glatt wie schon lange nicht mehr.

Aber das Hammamritual ist noch nicht zuende. 30 Minuten wunderbarer Massage warten noch auf mich. Ich wähle Rücken und Beine, die Klassiker. Der Druck ist genau richtig, ich sinke in einen angenehmen Dämmerzustand und die Zeit vergeht langsam. Herrlich. Die halbe Stunde ist um, ich setze mich langsam auf die Bankkante und komme zu mir. Ein warmes Handtuch wird mir mit sanftem Druck auf die Schultern gelegt, den Sisalhandschuh darf ich behalten, für meine Anwendungen zu Hause.

Ich steige hinab in das Erdgeschoss. F. hat inzwischen im sieben Minuten Takt gedampft, gebadet und geruht. Er fühlt sich ebenfalls wie neugeboren, wie er mir versichert. Wir trinken unseren warmen Tee und lassen uns noch ein paar Minuten von der Wärme, der Dunkelheit und der Musik verzaubern.

Der runde heiße Stein, der Nabelstein, der in traditionellen Hammams in der Mitte des Raumes ist,  und um den sich die Nischen mit den Waschschüsseln herumgruppieren, fehlt hier zwar. Dafür macht der atmosphärische Raum dies wett, das Becken und die Dampfsaune sind allemal genug, um ausgiebig zu entspannen. Und wer sich das Extra des Hammamrituals gönnt, entsteigt dem Hammam tatsächlich wie neugeboren. Alle Anwendungen werden mit natürlichen Produkten und Ölen angewandt.

Herzlichen Dank an Hammam Palma für die wunderschönen Fotos und das Erlebnis!

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