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Kuhparade in Kantabrien

August 13, 2017 0 comments

Ich bin wohl doch ein Landei. Das muss ich mir nach diesem Urlaub im grünen, grünen und ländlich-ländlichen Kantabrien wohl eingestehen.

Ich komme aus einem kleinen Dorf in Rheinhessen und bin dort nach dem Abi so schnell weg, wie es ging. Einen inneren Schwur habe ich damals auch geleistet: Nie wieder auf dem Land leben. Seitdem waren es mittelgroße bis große Städte, aber wirklich niemals mehr kleiner als 30.000 Einwohner.

Nun denn, Urlaub ist wohl was anderes und ich finde zu meinen Wurzeln zurück.

Wilde Brombeeren am Wegrand – da kann ich nicht dran vorbeigehen. Auch wenn sie noch nicht richtig reif und etwas sauer sind…

Die letzten Wochen auf Mallorca und insbesondere in Palma waren unerträglich. Eine Hitze, die nicht nachließ, die lauen Nächte waren zum Schlafen eine Qual – kurz, ich musste etwas Sommerfrische tanken, um meinen Organismus wieder auf Normaltemperatur zu bringen.

Irland war mein erster Gedanke, oder sogar noch höher in den Norden, Schottland, mit seinen saftigen grünen Wiesen, den tollen Schlössern und Seen. Das ist genau nach meinem Geschmack. Der Flug führte mich dann am Ende nach Bilbao, ins Baskenland. Auch grün, auch im Norden (von Spanien) und auch wunderschön.

Wo soll es hingehen?

Ich stöberte ein wenig im Internet auf der Seite casarural und entdecke kleine Perlen im ländlichen Nirgendwo. Aitzol und Ainhoa überzeugen mich ziemlich schnell, mit ihrem wunderschön hergerichteten Haus, dem Casona valle de Sobas, das wie wir später erfahren, über 500 Jahre alt ist und von einem sogenannten „Indian“ erbaut wurde.

Valle de Sobas heißt unsere Ecke, südwestlich von Bilbao, fast in der nächsten Provinz von Burgos. Und wir fahren tief ins Tal,Serpentine nach Serpentine, und es ist einsam. Hier und da ein paar einzelne Bauernhöfe, viel mehr nicht. Das ist es, was ich gesucht hatte.

Aitzol und Ainhoa sind ein super nettes Paar, die anscheinend auch genug von der Großstadt hatten. Hier im Valle de Sobas betreiben sie jetzt eine casa rural, jeden Morgen gibt es selbstgemachtes Frühstück. Erwartungsvoll setzen wir uns hin, probieren von dem selbstgemachten Yogurth – super cremig – den frisch gebackenen kleinen Teigtaschen – übrigens, jeden Tag gab es etwas anderes Leckeres – der hausgemachten Marmelade. Kein Kampf am Buffett, keine Plastikschälchen mit Fertigmarmelade. Alles selbst gemacht in kleinen liebevollen Schälchen oder Emaillekannen. Wir sind die einzigen „Ausländer“. Rund um uns herum Spanier – Festlandspanier. Die 13-jährige Maria neben uns begeistert uns. Sie ist witzig, packt ihr Englisch aus, das ihre Mutter ihr dringend ans Herz gelegt hat, denn wo komme man heutzutage denn hin, wenn man kein gescheites Englisch könne?, der Vater ein gemütlicher Lehrer, sie ist Bankerin, die eine Auszeit in der grünen Einsamkeit sucht…nette Leute, während wir ausgedehnt frühstücken.

Top Gastgeber: Aitzol und Ainhoa

Und ja, es gäbe jetzt viel von diesem Urlaub zu erzählen, aber das zöge sich in die Länge. Ich habe ein paar Highlights für euch rausgesucht. Da war die Bar von Joachín, zwei Orte weiter. Ein Sammelsurium von alten Dingen, Holzpantinen, mit denen die Leute früher aufs Land gingen, im tiefen Matsch dem Regen trotzten, alte Landkarten, eine Schiffsmütze von Francos Schiff „Azor“, ein Bild des Neffen, wie er seine Muskeln zeigt und das Telefonbuch von Madrid mit den eigenen Händen zerreisst. Wir schmunzeln ein wenig bei dem Anblick. Ich trinke schnell noch einen süßen Wein am Vormittag und lausche den Geschichten von Joaquín.

Und die grünen Wiesen und Wälder? Ja, die sind nicht ohne Grund so grün. Es regnet, mal zart, mal kräftig, mal ausdauernd…aber doch immer wieder gibt es Regenlücken, die wir nutzen, um zu wandern oder die Traumstrände zu erkunden.

Und wenn uns ein Erdloch für immer verschluckt??

Unsere einzige wirkliche Wanderung von 12 Kilometern fiel ausgerechnet auf einen Nebeltag – wir waren vielleicht ein wenig naiv und liefen trotzdem los. Hinein in die Suppe. Die tolle Landschaft konnte man stellenweise nur erahnen, Jan fantasierte ständig von irgendwelchen Erdlöchern, die aus dem Nichts vor uns auftauchen könnten und uns für immer im Höllenschlund verschlucken.

Ich bin da ein wenig pragmatischer oder weniger apokalyptisch drauf und ließ den Nebel Nebel sein, nass war ich eh schon und lief stur weiter. Aber irgendwann fühlten sich die 12 Kilometer eher wie 120 an, meine Beine taten ziemlich weh und wir wollten nur noch ankommen. Aber mystisch war es und erfrischend auch!

 

Zu den Stränden muss ich gar nichts sagen. Sie sind einfach ein Traum! Weit. Groß. Teilweise menschenleer. Die Brandung ist wild, die Wellen hoch. Es macht Spaß in die Wellen zu springen, wir ließen uns mitreißen, surften kurz mit dem Board auf den Wellen, ließen uns durchspülen, unterwirbeln, wieder auftauchen lassen…Dagegen ist das Mittelmeer tatsächlich eine langweilige Badewanne.

Und abends ging es bei Aitzol und Ainhoa kulinarisch köstlich weiter. Primer plato, segundo plato, postre casero…dazu leckeren Wein oder Bier gleich im Krug. Hach, was ein Fest!

Adults only – Ruhe bitte!!

Aber irgendwann hatte dieses Idyll ein Ende, wir wollten ein wenig näher an die Küste und zogen in ein Adults only Hotel in Santillana del Mar um. Und am ersten Morgen ereilte uns gleich die Wechseldusche in Sachen Gastfreundlichkeit. Der ernste Mann an der Rezeption, der den gesamten Laden im Alleingang zu schmeißen schien, trat an unseren Frühstückstisch. Ob wir es gewesen seien, die gestern so einen Krach gemacht hätten? Ich überlegte kurz – wir hatten den Fernseher nicht angehabt, hatten keine laute Musik gehört und uns auch nicht lautstark gestritten. Ich verneinte also. Und wenn wir es nicht gewesen seien, wer es dann gewesen sein könnte, ließ der ernste Spanier nicht locker. Ich wusste es nicht und sagte, ich könne es ihm leider nicht sagen, denn wir hätten nichts gehört. Er ließ sich so leicht nicht von seiner Mission in Sachen Ruhestörer abbringen. Ob ich denn wirklich sicher sei, dass wir es nicht gewesen seien…Langsam wurde ich ein wenig sauer. Ob das hier eine Art Verhör sei, entfuhr es mir wenig diplomatisch? Die ruhigen spanischen Frühstücksnachbarn ließ er sofort nach ihrem „Wir waren es nicht“ in Ruhe…ob die wilden Haare meines holländischen Mitreisenden Schuld waren? Wir überlegen bis heute.

Dieser Hund hielt Wache an der Treppe und erschreckte mich jedes Mal aufs Neue.

Auch sonst war der Herr uns ein Rätsel. Klingelte man an der Rezeption, trat er aus einer Art Einbauschrank hervor. Nie ein Lächeln, aber immer korrekt. Spanische Freundlichkeit habe ich bisher anders erlebt.

Santillana del Mar ist kein Ort, den man sich antun muss. Das ist jetzt mein Fazit. Tourimassen auf engstem Raum, dafür ein gruseliges Foltermuseum, aus dem ich fast geflüchtet bin, weil mich die genauen Beschreibungen der mittelalterlichen Foltermethoden in meiner Urlaubsstimmung doch beeinträchtigten. Die Gassen sind schön, die nahen weltberühtem Höhlen (eine Kopie des Originals aus Schutzgründen) sicher sehenswert, aber mein Ding war es nicht.

Da waren mir die Strände rechts und links davon schon lieber. Auch Comillas, ein schöner Ort nordwestlich davon am Meer, lohnt sich. Ein schönes Schloss, grüne Rasenflächen im Zentrum, ein Capricho von Gaudí (beim nächsten Mal anschauen) gefielen mir auf den ersten Blick besser als das volle Santillana.

Auch Santander lohnt einen Abstecher.

Guggenheim Bilbao – ein Muss?

Bilbao mit dem Guggenheim stand auch noch auf meiner Liste. Als ich ankam, war die Schlange lang. Huch, damit hatte ich irgendwie nicht gerechnet. Ob es wohl ausreichend sei, das Gebäude nur von außen zu bewundern? Aber meine Neugier war stärker, es interessierte mich ja schon, wie es drinnen aussähe und eine Ausstellung machte mich neugierig. Viel Zeit hatte ich nicht und so blieb es bei einem Express Besuch. Fazit: Das Gebäude ist wirklich von außen am beeindruckendsten. Man sollte Zeit mitbringen und es ist voll. Aber so ist das nunmal mit diesen Highlights. Wann wird unser Museum zu einer solchen gepriesenen Perle?…

Guggenheim

Jetzt bin ich zurück. Zurück auf Sa Roqueta, dem kleinen Felsen im Mittelmeer. Die Hitzewelle ist vorbei und ich kann wieder besser schlafen. Kantabrien hat es mir angetan. Ich komme wieder. Versprochen. Am liebsten mit dem Fahrrad.

 

Und jetzt noch eine kleine Kuhparade…

 

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