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Mallorca mit Baby

September 8, 2016 0 comments

„Qué simpático!“ hören wir in den letzten sieben Tagen ziemlich häufig. Kann ein 9-Monate alter Säugling wirklich schon sympathisch sein? Oder erkennen die Spanier einfach schon viel früher als wir Deutsche den eigentlichen Charakter dieses jungen Erdenbürgers? Er ist aber auch sympathisch, süß, knuffig – das süßeste Baby überhaupt, der kleine Besuch aus Süddeutschland.

Schlafkomfort beim 2. Anlauf

Ich wollte ihm Schlafkomfort bieten und konnte netterweise durch eine Freundin ein Baby-Reisebett ausleihen. Dank Youtube Anleitungen versuchte ich mich schlau zu machen, wie man das denn stabil aufbaut. Es sah so einfach aus. Die Sonnenschirm ähnliche Konstruktion in der Mitte einfach nach unten drücken, zweimal klack klack an den Seiten machen, fertig. Nicht mit diesem Bettchen. Die Seiten wollten einfach nicht einrasten. Wir überlegten schon, ob es nicht vielleicht auch einfach so gehen könnte, quasi als Schlafzelt. Bedingung: das Kind müsse ganz ruhig und tief schlafen und sich am besten gar nicht dabei bewegen. Träum weiter! Ich schlug auf das Bettchen ein, ich redete ihm gut zu, der Schweiß brach mir dabei aus. Die schmalen Seiten hingen schlaff durch. Irgendwann baute ich es einfach noch einmal ganz ab und wieder auf, ließ zuerst die schmalen Seiten einrasten, klick-klack, und dann die breiten. Oh Wunder! Es hielt.

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Stadteroberung mit Baby

Jetzt wollte ich mit meinem Besuch schauen, wie gut man Palma Anfang September mit Baby erobern kann. Anfang September bedeutet schwüles Wetter, viel Sonne, noch mehr Hitze. Aber da Babys ja erfreulicherweise kleine Frühaufsteher sind, können wir die frischeren Morgenstunden nutzen. Die ersten Tage verdödeln wir entspannt bei Ensaimada und Café con leche auf dem Balkon. Baby isst mit bzw. kräht fordernd nach kleinen mundgerechten Ensaimada-Happen, die zufrieden verzehrt werden. Aus irgendwelchen schlecht informierten Kreisen hatte meine Freundin erfahren, dass die Babygläschen hier irre teuer seien, am besten man nehme gleich die ganze Ladung für den Urlaub im Koffer mit. Völlig falsch, wie sich herausgestellt hat. Einen Tick teurer als in Deutschland seien sie, gibt sie zu, aber kaum der Rede wert. Und wer auf seine bekannten Produkte nicht verzichten mag, der kann im beliebten Müller einkaufen. Nach zwei Tagen entspanntem Rumgegammel mit Kind, langer Siesta in der halbwegs kühlen Wohnung und abendlichen Ausfahrten mit dem Buggy (wir taten es den nachtaktiven spanischen Kindern gleich), wollten wir Minimum doch noch etwas mehr von der Insel zeigen.

Strandtipp: Nah und fußläufig soll er sein

Fußläufig und daher am stressfreisten ist der Stadtstrand von Palma. Ja, es gibt türkisfarbeneres Wasser und ja, auch schönere Strände als diesen, aber mit Baby zählen andere Dinge wie Logistik, langes Laufen in der Hitze vermeiden, flaches Wasser…der Strand hat einen Abschnitt, den wir den „Reha-Strand“ getauft haben. Dieser befindet sich auf Höhe des Kongresspalastes bzw. der Baustelle. Für Rollifahrer gibt es dort einen Baldachin, der ab zirka 11 Uhr Schatten darunter spendet, vor 11 Uhr dürfen sich freche Baby-Besucher in den schattigen Quadranten direkt im Sand daneben niederlassen. Man kann mit Buggy auf dem für Rollstühle ausgerollten Teppich gut auf den Strand gelangen. Nach zwei Tagen erkannten wir die Stammgäste sofort wieder. Es wurde links und rechts mit einem freundlichen „Qué buena está el algua, cómo si fuera agosto“ begrüßt. „Wunderbar das Wasser heute, als wären wir im August.“ Wohlgemerkt – wir hatten Anfang September. Das Wasser ist zu dieser Jahreszeit angenehm und babytauglich mild. Besonders morgens ist das Meer häufig spiegelglatt, was auch für Kleinkinder, die schon alleine das flache Uferwasser erkunden, praktisch ist. Fast noch idealer ist es ab 18 Uhr abends. Die Strände leeren sich, die Sonne sinkt allmählich, die Luft bleibt aber angenehm warm.

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Wer mit Baby unterwegs ist, entdeckt die Entschleunigung und den Zauber des kleinen Radius. Wer will schon mit dem Bus ans andere Ende der Insel fahren, auf irgendwelche Berge klettern oder lange im Auto sitzen? Wir wollten es nicht, beschränkten uns auf kurze Routen, bummelten entspannt durch die Stadt und erfreuten uns an den babyfreundlichen Mallorquinern.

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Auch mal raus aus der Stadt: Sóller ist ideal dafür

Einen babytauglichen Ausflug wagten wir am vorletzten Tag dann doch. Mit dem Bus nach Sóller fahren, dort im Schatten der großen Bäume vor der Kirche einen cortado schlürfen, während der Kleine wieder mal an einer Ensaimada nuckelt. Einmal die Gassen hoch und runter und in das Bummelbähnchen gehüpft, was sich als sehr babytauglich erwies. Trotz Verbotsschild, nicht auf den Plattformen zwischen den Wagen stehen zu dürfen, hielt sich niemand daran. Wir konnten den Kinderwagen problemlos reinheben und nach Puerto Sóller tuckern. Dort in der Bar am Hafen gab es Kindersitze und freundliche Kellner. „Ja, trommel nur auf den Stuhl ein!“, empfahl der Kellner dem Kleinen. Keine bösen Blicke von den Nachbartischen, wenn es mal laut und quengelig wurde. Auch die ältere Dame mit dem schwarzen Holzstock mit geschwungenem Knauf war ganz angetan von ihm. Das bekannte „Qué simpático“ schmetterte sie ihm entgegen und fuchtelte mit dem Stockknauf vor der kleinen Nase rum. Ein bisschen wurde im Kinderwagen gelächelt, dann wurde es ihm unheimlich mit dem großen Stock und der resoluten Seniorin. „Jetzt findet er es nicht mehr so gut“, meinte sie dann trocken, als erschrecktes Weinen aus dem Wagen drang. Mit der bewährten Ensaimada beruhigten wir ihn fix.

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An unserem letzten Abend wollten wir schön essen gehen. Das Gustar bietet sich optimal dafür an. An dem schönen ruhigen Platz Banc de Oli liegt es, es gibt ein paar kleine Tische draußen, das Kind kann herrlich schlafen, während wir entspannt den Auberginensalat, diverse Bierchen und hausgemachten Eistee und eine leckere Quiche verzehren konnten. Ein kleiner Shopping-Ausflug war vorher auch noch drin. Wer süße, kitschfreie und geschmackvolle Babymode schätzt, wird hier begeistert sein. Im Tuc Tuc gibt es aktuell sogar vieles zum halben Preis. Der Kleine reist heute zurück, ausgetattet mit schöner Sommermode und jeder Menge schöner Mallorca Erinnerungen. Und ich, ich werde das fröhliche Grinsen am Morgen und das rasende Robben durch die Wohnung vermissen.

Hinweis zur Reisezeit

Was die Reisezeit angeht, würde ich nach dieser Woche Erfahrung September als vielleicht noch einen Tick zu früh einschätzen. Es sind schon einige Stunden ab 12 Uhr bis zirka 17 Uhr, die man am liebsten im kühlen Schatten bleiben möchte. Ich würde vielleicht beim nächsten Babybesuch Oktober vorschlagen. Da ist das Meer noch schön warm und die Sonne weniger stark. Was feststeht: Babys brauchen nicht viel. Sie brauchen ihre gefließte Wohnung mit spannenden Dingen zum Entdecken, ein paar freundliche Stimmen auf der Straße, oder etwas fürs Auge wie einen Ventilator an der Decke eines Geschäftes, der sie minutenlang fesselt.

Weitere Tipps zum Reisen mit Baby findet ihr in Janas Blog Cookies for my soul. Sie hat eine eigene Rubrik dafür geschaffen.

 

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