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Mallorquinische Schatzkammer

Juli 16, 2016 0 comments

Das ist das Reich des Jaume Santandreu. Er herrscht über mehrere hundert Quadratmeter voller kleiner Schätze, aus mallorquinischen Kammern, Schlafzimmern, Kellern oder Patios. Wie ein gemütlicher, wohlwollender Wächter sitzt er an einem kleinen Tisch, direkt am Eingang der riesigen Halle im Polígono Can Valero. Über ihm hängt ein Stoffbanner. Geben macht glücklich, steht dort sinngemäß.

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Ich habe das Glück, eine schöne Wohnung ergattert zu haben. In Zeiten wie diesen, in denen der Mietmarkt innerhalb von nur zwei Jahren von paradiesisch bis hin zu „tricky“ gewandert ist, freut mich das umso mehr. Die Wohnung hat einen weiteren Vorteil, den manche auf den ersten Blick als Nachteil ansehen würden: Sie ist nicht möbliert, bzw. so rudimentär, dass man darin zwar schlafen kann, auch einen Kaffee kann ich mir mit der Cafetera morgens machen, aber viel mehr Heimeligkeit und „cosy“ Gefühl lässt sie bisher noch nicht aufkommen. Ich richte mich aber lieber so ein, wie es mir gefällt, als in mir vorgesetzten Möbeln Marke „Oma wohnte noch bis vor kurzem hier“ oder „billig aber dafür hässlich“ zu leben. Sprich – sie ermöglicht es mir, mich auszutoben und nach eigenem Gusto zu gestalten. So stürze ich mich voller Vorfreude an diesem Freitagmittag in das Reich des Don Jaume. Eigentlich heißt es Can Cazà und ist ein Sozialprojekt. Hier schreinern, schleifen, dübeln und lackieren Männer, die ein wenig vom Weg abgekommen sind, gespendete Möbel. Ich ziehe durch die Gänge. Es gibt hier wirklich alles! Ein fast authentisch ausstaffiertes Schlafzimmer mit barocken Holzmöbeln, einem Bett, das einer Contessa würdig wäre, diverse alte schöne Waschtische aus Holz mit den Emaille-Waschschüsseln, natürlich auch viel Nippes, Teller, Tassen, Gläser – die nächste große Party, bei der einiges zu Bruch gehen darf, könnte man damit perfekt ausstatten. Besser als Plastikgeschirr ist es auf jeden Fall. Alles wird gespendet, die Jungs möbeln die Sachen auf und verkaufen es zu fairen Preisen. Das Geld geht an das Projekt.

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Einmal schlafen wie eine Gräfin

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Ich bin auf der Suche nach einer Kommode für meine Kleider, ein Esstisch wäre auch fein. Einer von Jaumes Helfern, Miguel, führt mich nach hinten, ins Reich des kreativen Schaffens. Späne fliegen, ein völlig entkerntes Sofa wartet auf seinen neuen Look. Zwei Männer arbeiten heute Nachmittag hier. „Macht mal hinne“, ruft Miguel ihnen zu. Der kleinere von beiden sieht das ähnlich. „Wir wollen ja schließlich heute noch an den Strand“, scherzt er. Strandwetter ist zwar nicht unbedingt, aber was solls. Miguel zeigt mir eine gerade abgeschliffene Kommode, soll 60 Euro kosten. Ich bin noch nicht restlos überzeugt, obwohl das Holz einen schönen Rot-Ton hat, aber die Seiten wurden von den Jungs nachträglich erneuert und passen farblich nicht so ganz. Aber ich werde natürlich doch noch fündig. Meine Gene haben mich mit einem Spürhundinstinkt ausgestattet. Es ist doch immer wieder faszinierend, was einem die Eltern so mit auf den Weg geben. Auch mein Vater fühlt sich in vollgerümpelten Garagen mit versteckten Schätzen, auf Flohmärkten oder in sogenannten Antiquitätenläden mit Kreativpotenzial pudelwohl. Es gibt doch immer etwas zu entdecken und netter als Ikea ist es allemal.

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Ich habe mich in einen Marmortisch mit ehemaligem Pfaff Nähmaschinen-Untersatz verliebt. Praktisch? Hmm, zum Arbeiten wohl eher nicht, wenn ich neben dem Laptop alle Unterlagen ausbreiten möchte, aber schön ist er! Dafür reserviere ich heute zwei Kommoden beim Jefe, eine mattlackierte rost-rote und eine kleine graue. Eine fantastische grüne Deckenlampe, schlicht, dafür toll knallig-grün nehme ich direkt mit. Es ist alles extrem entspannt hier. Die Männer wirken tiefen-gechillt, Miguel hält sich nicht lange mit Bürokratie auf. Ich kann etwas anzahlen, wie viel, das sei mir überlassen, er stellt mir gerne einen Zahlschein aus, müsse man aber auch nicht. Sein Helfer packt mir die Lampe in eine praktische Tasche. „Ruf mich einfach an, sobald du sie abholen möchtest. Ab Mitte Juli bis Ende August sind wir zwar nur Vormittags da, wegen der Hitze in der Halle, aber wenn du sagst ich komme um 15 Uhr, dann bin ich da.“ Unkompliziert mallorquinisch. Ich liebe es. Auf einen kleinen Handel lässt er sich auch noch ohnes Weiteres ein.

Ich könnte jetzt noch länger stöbern. Vielleicht der röhrende Hirschteppich an der Wand oder eins der Brautkleider für kleines Geld? Halt! Nein! Die Gene dürfen nicht überhand nehmen…es soll ja schließlich noch etwas Platz für weitere schöne Fundstücke in der Wohnung geben.

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Wer die Jungs des Sozialen Projekts unterstützen möchte und gleichzeitig ein paar nette Möbel oder andere Dinge erstehen will – hier entlang.

Mehr zum Projekt auf Facebook hier. Die aktuelle Adresse ist c/Asival, im Polígono Can Valero.

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