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Ode an Portixol

Oktober 2, 2016 0 comments

„Hach“, würde er höchst zufrieden ausstoßen. Und das Ganze dann noch mit mehreren Hashtags später in dem allseits beliebten und verhassten Medium mit den zwei Buchstaben unter die Leute bringen. Hach ist ein Ausdruck größter Freude eines Freundes von mir. Und bei Portixol hat er einfach recht. Die Promenade biegt leicht um die Kurve, der kleine Strand reicht aus für ein perfektes Sonnenbad, das Meer ist morgens spiegelglatt. Wer vor neun Uhr morgens kommt, hat den Strand und das Meer für sich. Portixol, die ehemalige Fischersiedlung. Inzwischen in etwas anderem Gewand, leider auch etwas teuer, und doch noch sehr schön. Txölchen, nennt es dieser Freund liebevoll. Ich weiß nicht, was mir hier am besten gefällt. Sind es die älteren mallorquinischen Männer, die morgens schon im Schatten der Holzpergola wild diskutieren, laut kommentieren, warum der Chef der Sozialisten das Handtuch geworfen hat oder rausgeschmissen wurde oder sind es eher die noch lauter quatschenden Frauen, die in 4er oder 5er Gruppen die Promenade langwalken, die Nordic-Walking Stöcke völlig unsachgemäß wie einen Spazierstock neben sich führend, die kleinen Hanteln auf und ab schwenkend und die dabei noch genug Puste für ausgiebigen Small-Talk haben? Oder die Kunstskater mit ihren Kunststücken, die Sonntagsspaziergänger in rauen Mengen, der Blick aufs Meer und die endlose Promenade? Ich glaube, es ist alles das.

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Vor neun gehört das Meer mir

Die letzten Tage habe ich mir den Luxus eines Morgenbades gegönnt. Die Temperatur ist jetzt nichts mehr für zartbesaitete Mittelmeerbewohner, aber wir Nordlichter finden es noch toll, ein wenig frisch, das gebe sogar ich jetzt zu, aber optimal zum Schwimmen. Das Wasser liegt glatt vor mir, höchstens ein oder zwei Schwimmer teilen sich mit mir das Meer. Ich tauche ein, es kostet etwas Überwindung, aber dann ist es einfach nur fantastisch. Einmal kräftig bis an die vordere Kante der aufgehäuften Felsen schwimmen, ein wenig dort verharren und den großen Schiffen beim Einschwenken in den Hafen von Palma zuschauen oder in Richtung Sonne blicken und das Meer ganz für mich alleine haben. Der kleine Strand hat Duschen, was ein Plus ist – sie sind jetzt, gegen Ende der Saison wegen Massermangel ausgeschaltet.

Café con leche nach dem Bad

Nach dem Bad gibt es die Auswahl mehrerer Cafés für einen Aufweck-café-con-leche mit Schokocroissant. Sogar deutsche Zeitungen gibt es hier (also die hiesigen für „Residenten“). Ich schmökere mich durch die Zeitung, nippe am Kaffee, beiße in das frische Croissant. Langsam füllt sich der Strand. Zwei Schwedinnen kommen jeden morgen zur gleichen Zeit wie ich. Mutter und Tochter, vermute ich. Eine kurzes Bad und dann schön in der Sonne aufwärmen ist ihr Ritual.

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Portixols Kulisse ist schön. Das kleine Hotel Portixol ist eins der wenigen, von denen ich sagen würde: es verschönert absolut die Aussicht, passt perfekt ins Umfeld. Die Palmen wehen, ich fühle mich wirklich wie im Urlaub. Ich ziehe an diesem Morgen noch ein wenig weiter mit dem Fahrrad, bis zur Ecke von El Penon und schaue zurück über die Bucht von Palma. Eine Gruppe Spanierinnen hat es sich in ihren aufgeklappten Sonnenstühlen bequem gemacht. Ein Trupp zirka 15-jähriger junger Männer joggt am Wasser entlangt und direkt an den Frauen vorbei. Ihre Köpfe drehen unisono in die Richtung der Jungs. Hach, die Jugend, höre ich sie fast bis zu mir seufzen. Dann lassen sie sich fröhlich in die Stühle plumpsen, trinken den mitgebrachten Sekt, beginnen entspannt den Tag.

Sport und schöne Körper

Neben dem Turm des Strandwärters macht ein junger Afrikaner Frühsport. Das Sixpack ist ordentlich definiert, sein Pectoralis ebenfalls gut sichtbar. Er springt mit gegrätschten Beinen rückwärts durch den Sand, bis eine Spanierin auf ihn zugeht. „Toll, wie machst du das?“ Wie bekommt man eine solche Taille, fragt sie. Der Junge lacht ein wenig verschämt, sie lässt nicht locker, kreist mit ihren Hüften, fragt herausfordernd: „So?“ Trainingstechnisch befinden sich die beiden an entgegengesetzten Polen, aber sie ist motiviert und lobt seine Fitness. Ich gehe lachend weiter. Der junge Mann macht derweil Liegestützen im Sand in einem Tempo, als wäre er im Zeitraffer gefilmt.

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Wer es eher lässig mag, kann einfach spazieren gehen und z.B. im Xorri einkehren. Hier gibt es bei Fußballevents einen großen Bildschirm und bei der WM habe ich mit einer argentinischen Freundin hier das Spiel Argentinien Deutschland angeschaut. Die Atmosphäre war zum Zerreissen gespannt, meine Freundin biss sich ihre Fingernägel fast blutig, das Ersatztrikot in den Händen gekrallt. Wie es ausging – ich weiß es schon nicht mehr. Aber die Pinchos sind lecker und man kann nett auf der kleinen Terrasse sitzen.

Aber ich mag Portixol nicht nur deswegen. Es liegt so nah, direkt vor der Haustür und ist perfekt für ein kurzes Abtauchen nach Feierabend, für Urlaubsfeeling für zwischendurch.

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Wer ein wenig edler essen möchte, kann im Bungalow einkehren. Streng genommen ist das hier schon nicht mehr Portixol. Aber ich will mal nicht so sein. Der Platz ist unübertroffen, besonders in den frühen Abendstunden ist das Licht auf die Bucht wunderschön. Man sitzt direkt auf Meerhöhe. An den Weißwein, den wir hier getrunken haben, denke ich heute noch zurück.

„Hach Txölchen“, würde der Freund jetzt sagen. Ich stimme ihm zu und denke: Behalte deinen bisherigen Charme und ändere dich nicht mehr allzu stark!

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