Leib & Seele

Teig rollen oberhalb der Brandung

Juli 13, 2016 0 comments

Ich habe den Königsweg gewählt. Ohne Auto, ohne Bus. Ich kurve mit meiner geliebten Vespa Richtung Tramuntana-Gebirge. Sobald die Berge auftauchen und mich wie durch ein steinernes Nadelöhr passieren lassen, beginnt die schönste Strecke von Palma nach Valldemossa und Deià. Tomeu hat mich eingeladen, der Bäckermeister aus der Bäckerei in Palma. Heute ist ein ganz besonderes Event. Die Eintrittskarten sind restlos ausverkauft aber er räumt mir ein Plätzchen frei. Kochen und Backen wie zur Zeit von Ramón Llull, dem mallorquinischen Philosophen, der mit seinem leicht querulantischen Geist die mittelalterlichen Gemüter erhitzt hat.

Ich fahre die kurvige Küstenstraße hinter Valldemossa noch ein wenig weiter. Der Ort seines kreativen Schaffens wird heute Abend das Kloster Miramar sein. Ein malerisch gelegenes Gebäude, zwischen Valldemossa und Deiá, direkt am Hang mit weiten Olivenfeldern und einem eigenen mirador – einem Aussichtstürmchen. Als ich ankomme, bereitet Tomeu sich gerade vor. Sein Team: seine Frau, seine Kinder und vier Musiker, die auf mittelalterlichen Instrumenten und mit Gesang seine Kochkünste begleiten werden.

Auf dem Tischchen steht schon alles vorbereitet. Nix mit Thermomix oder Induktionskochplatten. Es geht zünftig zu, die Schalen sind aus irdenem Ton, die kleinen Töpfchen, die die Zutaten enthalten, aus mattem Metall. Rosen liegen dekorativ auf dem Tisch. Tomeu bindet sich seine blaue Schürze um, die Sängerin testet ihre Stimme. Glockenklar schallt sie durch den Klostergarten, während die Gäste bzw. Teilnehmer noch im Schatten im Eingangsbereich warten.

Das regionale Fernsehen ist ebenfalls da. Er ist ein Medienstar, Tomeu. Eine Zimbel ertönt, die helle Stimme der Sängerin erklingt und die Gäste dürfen kommen. Kochen und Backen im Mittelalter. Was war das Besondere daran? Tomeu erzählt – auf mallorquinisch – dass es vor allem einfach und natürlich saisonal war. Keine Extrawürste – das was die Erde hervorgebracht hat, Fisch und Fleisch zu besonderen Anlässen, selbst Salz war etwas Edles und wurde sparsam verwendet. Das scheint sich bis heute in den Köpfen festgesetzt zu haben, denn das mallorquinische Brot ist in der Regel salzarm bis salzfrei. Frischkäse, der wie fester Quark oder Schichtkäse aussieht, steht bereit. Auberginen sind halbiert, daraus wird er gefüllte Auberginen mit frischen Feigen zaubern. Zwischendurch erzählt er weiter. Eifriges Zuhören, Notieren, gebannte Stille.

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Dann ertönt wieder die Zimbel und die Musiker setzen zu einem neuen Lied an.

 

Während sie spielen, massiert Tomeu den Teig, rollt ihn zu ovalen kleinen Kugeln und legt sie fast meditativ langsam unter ein feuchtes Tuch, damit sie etwas gehen können.

Nicht nur die älteren Damen und Herren sind von der Melange aus fantastischer Umgebung, Musik, Düften und leckerer Kochkunst betört. Auch ich bin fasziniert. Dies ist ein magischer Ort, denke ich. Mein Magen rumpelt auch bei diesem Besuch ein wenig – hatte ich mich doch auf einen kleinen Happen eingerichtet. Tomeu deutet das Kochen und Backen heute eher an, bei seinem showcooking möchte er natürlich nicht seine gesamte Kochkunst preisgeben. Wir dürfen am Ende einmal kosten. Es gibt frisches Trampó, eine art Mürbeteig Pizza mit Gemüse, kleine süße Kugeln, die Mini-Coca, und was für mich fast das Highlight ist, sind die gefüllten Auberginen. Als Nachtisch gibt es sämige Mandelmilch. Hier sind die Mandeln noch sichtbar, kleine Stückchen schauen aus dem cremigen Getränk hervor.

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Essen fassen, nur viel schöner als in der Kantine.

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Doch das beste an dem ganzen Event ist nicht das Essen: es ist die Mischung aus Natur, Essen und Ambiente. Im Hintergrund die Olivenbäume und die Steilküste, vor uns das ehemalige Kloster mit seinem blühenden Garten.

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Auch mein Magen freut sich, hört auf zu grummeln und meldet zurück: „Sehr, sehr lecker! Solltest du unbedingt einmal nachkochen!“

Das werde ich tun. Versprochen.

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Wer ebenfalls Lust auf frisch zubereitete Mandelmilch hat:

  • 150 Gramm feines Reismehl
  • 225 Gramm gemahlene mallorquinische Mandeln
  • 225 Gramm Zucker
  • 2 Liter Wasser
  • Ein kleiner Schuss Rosenwasser

Zubereitung

Zucker und Wasser erhitzen bis der Zucker sich auflöst. Nun die gemahlenen Mandeln langsam hinzugeben und einige Minuten aufköcheln (zirka 10 Minuten) bis es sämig wird. Parallel dazu das Reismehl mit kaltem Wasser vermischen und langsam zu der Mandelmasse hinzugeben. Auf kleiner Flamme etwas weiterköcheln lassen bis es eine cremige Konsistenz hat. Etwas abkühlen und bei Zimmertemperatur trinken. Kurz vorm Verzehr das Rosenwasser hinzugeben.

 

 

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