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Übergangsjacke – ab in den Schrank!

April 4, 2017 0 comments

Meine Mutter pflegt stets zu sagen: „Junge, zieh eine Übergangsjacke an!”

Ich hasse das. Dass Mütter nie verstehen können, dass man erwachsen ist und selbst entscheiden kann, welches Kleidungsstück man wann anlegt. Ich habe mich jedenfalls jahrelang (mit Erfolg) gegen die Aufforderung gewehrt. Sicherlich gab es den ein oder anderen Tag, an dem ich schlotternd vor Kälte herumlief, weil es doch eine gute Idee gewesen wäre, eine Jacke anzuziehen. Wichtig ist dann immer, nicht zuzugeben, dass man friert.

Irgendwann fragte ich meine Mutter: „Was ist eigentlich eine Übergangsjacke? Wie sieht sie aus? Was macht sie aus?” Sie erklärte mir dann: „Das ist ein Anorak, den man anzieht, wenn es nicht mehr richtig warm, aber auch noch nicht richtig kalt ist, eben für den Übergang. Meistens braucht man so eine Jacke im April und im Oktober, wenn es nicht mehr Winter, aber auch noch nicht richtig Frühling ist. Beziehungsweise nicht mehr Herbst, aber auch noch nicht richtig Winter.”

Nach jahrelangem Hick- Hack und endlosen „Zieh- dir-was-an-Diskussionen” gab ich schließlich nach und kaufte mir ein Exemplar. Es ist nicht besonders schön, sieht eigentlich ziemlich langweilig aus. Was erwartet man auch von einem Kleidungs- stück, das „Übergangsjacke” heißt?

Aber ich muss sagen, nach einiger Zeit sind wir gute Freunde geworden und so führte ich sie gelegentlich sogar spazieren. Ich muss zugeben, an manchen Tagen war sie mir sogar sehr dienlich, denn sie beschützte mich vor abendlicher Kälte und morgendlicher Frische.

Natürlich habe ich sie auch mit nach Mallorca genommen, in der Hoffnung, sie möge mir auch hier eine treue Begleiterin seine, eben an jenen Tagen, an denen nicht mehr ganz die eine, aber auch nicht ganz die andere Jahreszeit herrscht.

Schnell kam die Ernüchterung: Auf Mallorca mangelt es an einer Sache, die für die Verwendung einer Übergangsjacke existenziell wichtig ist: dem Übergang! Verwöhnt einen bis Ende Oktober noch der Sommer mit Hitze und Temperaturen bis 30 Grad – an eine Jacke ist nicht zu denken – so steht nach ein paar heftigen Stürmen und Unwettern im November der Winter vor der Tür und man kann den dicken Anorak aus dem Schrank holen.

Nun hängt sie also auf ihrem Bügel, hat mich Tausende Kilometer umsonst begleitet. Arme Übergangsjacke, sie wird nicht mehr gebraucht!

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