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Una escapada – kleine Fluchten: Madrid

Mai 25, 2017 0 comments

Kennt ihr das? Die Decke scheint sich auf euch herabzusenken, der Blick wird von Tag zu Tag enger und ihr erkennt: ich muss hier mal raus!

So ging es mir vor kurzem. Allerlei Gedöns hatte mich mein inneres Gleichgewicht ein wenig verlieren lassen, das glitzernde Mittelmeer kam mir nicht mehr glitzernd vor, die ewige Sonne leuchtete zwar am Mallorcahimmel, aber irgendwie nicht in mir drinnen. Also, nix wie nach Flügen schauen, Köfferchen packen und ein paar Tage davonflattern.

Ich wählte Madrid aus, weil dort die Mutter einer ganz, ganz alten Freundin aus Kindertagen weilte. Su, eine extrem „coole“ Engländerin. Sie reist alleine mit ihrem Campervan, einem Wohnmobil durch Spanien, mit A1 Spanisch Niveau, dafür viel, viel Mut und Abenteuerlust. Ich habe einer Freundin von ihr erzählt und diese meinte nur: „So möchte ich sein, wenn ih alt bin.“ Recht hat sie.

Die englischen Campingnachbarn reisten inklusive Smartcar…

Su lud mich also in ihr Wohnmobil ein, das sie auf einem Campingplatz bei Madrid geparkt hatte. Morgens um 5 Uhr zog ich los, war dafür schon vor dem Frühstück vor Ort und konnte Kaffee und Croissants mit Su genießen.

Und ich sage euch nur eins: Die vier Tage waren einfach SUPER! So viele nette Gespräche, so viel Zeit und Ruhe, Kino, Essen gehen, lachen, spanische Videos für Kinder schauen, Madrid entdecken…

Die Kombi GWY und TH brach Maria das Genick

Am besten haben mir ihre Erzählungen von ihrer spanischen „Gastmutter“ während des Sprachkurses gefallen. Maria sprach schnell, spanisch-schnell und das bedeutet: sehr sehr schnell!! Die arme Su kam kaum hinterher, konnte nur einzelne Wortfetzen aufschnappen, sich danach puzzleartig die Gespräche zusammenreimen und war mächtig ernüchtert.

Aber die beiden Damen fanden ein gemeinsames Thema: Kino und Filme. Da flutschte die Kommunikation schon gleich besser, die beiden hatten eine Ebene und Su traute sich auch, etwas zu erzählen. Was mir dann Lachtränen in die Augen trieb, war ihre Anekdote beim Rätselraten vom Namen einer amerikanischen Schauspielerin. Su gab sich Mühe. Sie rätselte und rätselte – wen könnte Maria gemeint haben? Zuviele Konsonanten, zuviele „R“…zuviel ??? Am Ende kam heraus: Gwyneth Paltrow war gemeint.

Aber hey, das ist auch wirklich einer der schwierigsten Namen, den man sich ausdenken kann, fast ein Zungenbrecher, auch für Muttersprachler. Ich glaube, hier sollte Su Maria ein wenig „Credit“ geben.

Ich liebe Palma, finde, die Stadt hat die perfekte Größe. Doch manchmal brauche ich ein wenig Großstadt. Madrid hat zwar im Zentrum auch viel „Dörfliches“, man kann die Stadt super per Fuß erkunden, aber es ist halt doch was anderes als das eher beschauliche Palma.

Ein bisschen Touriprogramm musste natürlich sein. Rauf und runter die Fußgängerzone, die Gran Avenida, Boxenstop einmal täglich bei Llaollao, dem argentinischen Yogurtheismacher. In den Königspalast sind wir sogar auch gegangen und ich konnte ein unerlaubtes Foto machen.

Bei der Kathedrale blieb Su lieber draußen im Schatten. Mir hängt ein Familienerbe an, bei dem mir eine innere Stimme zuzuraunen scheint: Ein wenig Kultur und sakrale Bauten haben noch niemandem geschadet. Eine unsichtbare Hand scheint mich dann in die Kirchenmauern zu ziehen. Und die Kathedrale von Madrid ist wirklich sehenswert, die Decken sind modern, fast ein wenig südamerikanisch und eine glockenzarte Frauenstimme sang ein paar Kirchenlieder. Füße ausruhen, in die Bank setzen und ein wenig „einkehren“.

Su und ich gehen beide sehr gerne ins Kino. Locas de alegría, ein Film, der auf den ersten Blick nach viel Spaß aussieht, hatte es neugierig gemacht. Hinter dem Plaza de Espana entdeckten wir eine Straße mit zwei Programmkinos nebeneinander und guten Filmen. Meine Empfehlung: Er war gut, der Film. Zwei „durchgeknallte“ Frauen treffen in einer etwas anderen psychiatrischen Klinik aufeinander. Und dann wird es turbulent…Aber nur lustig ist er auf keinen Fall. Schräg, traurig, witzig – das trifft es besser.

Und dann haben wir doch glatt den zweiten Tag NUR auf dem Campingplatz verbracht, neben den französischen, argentinischen und englischen Campern. Füße hoch, Kaffee trinken, im Schatten sitzen, weiter quatschen, was essen, was trinken…hach, ich sag euch, herrlich. Und die Erholung kroch so ganz allmählich in mir hoch. Auch sah ich langsam das Meer wieder „funkeln“.

Wermuth am mittag und Schlemmereien gleich im Anschluss…

An meinem letzten Tag hatte Su keine Lust wieder auf heiße Stadt. Ich hätte zwar gut und gerne schon wieder am Campervan abhängen können, aber schließlich bin ich nicht ständig in Madrid und ich ziehe auch gerne mal alleine los. Mein Handy ist dank prepago immer mal wieder „aus“, was bedeutet, dass ich so wie früher mit Papierkarte losziehe, sie dann drehe und wende, mich gleich mit, um zu erkennen, ich welche Richtung ich denn jetzt los muss. Manchmal liege ich richtig, öfter aber auch mal daneben.

Das hat mich in diesem Fall aber zu einem ganz wunderbaren Laden geführt, der das spanische Label Kling führt. Ja ja, meine Vorsätze waren: NIX kaufen. Aber hey, schließlich war ich im Urlaub. Genießen war meine Hausaufgabe. Ich verlasse also das Lädchen mit einer schönen Bluse, einer wunderbar weiten Sommerhose in mallorquinischem Muster und einem T-shirt im französischen Gouvernantenlook. Howzat?! Meine Kollegin hat mich sogar gleich auf die Bluse angesprochen, auch die Hose wurde gelobt.

Na also.

Ach, es gäbe noch so viel zu erzählen, von diesen wunderbaren vier Tagen Madrid. Wir haben Kunst im Caixa Forum genossen, die vertikalen Gärten bewundert, sind durch den schönen großen Retiropark geschlendert. Die Wasserschildkröten im Bahnhof Atocha sind auch etwas besonderes. Fast schon wie eine Invasion, hängen sie auf den nassen Steinen herum.

Mein Tipp an euch: gönnt euch mal eine kleine escapda, eine Flucht aus dem Alltag. Der Blick wird wieder frei, weiter, die Touribrille aufsetzen macht Spaß, mit vollen Taschen abends und müden Füßen ins Feriendomizil kommen, ebenso.

Danke Su! Danke Madrid. Hasta pronto…

Hier meine Tipps in Kürze:

  • Das Caixaforum hat tolle Ausstellungen. Das Gebäude an sich ist sehenswert, das Mittagsmenü in der Cafeteria ganz oben, ebenfalls sehr lecker.
  • Wer es im heißen Sommer etwas kühler mag, sollte durch den großen Retiropark schlendern. Die Bäume bringen Abkühlung, auf dem See kann sogar gerudert werden.
  • Leckeres Eis gibt es überall. Wir wurden zu Fans von Llaollao. Frisch, nicht zu süß. Lecker.
  • Kathedrale: lohnt sich. Auch die Krypta gleich nebenan ist sehenswert.
  • Den Königspalast fanden wir ein wenig „psssa“, was soviel heißt wie: naja. Natürlich sind die Räume, die Tapeten und Böden beeindruckend, aber es fehlt dem ganzen ein wenig Leben. Trotzdem, bei freiem Eintritt ist ein Besuch durchaus lohnenswert.
  • Ich mag es ja oft am liebsten, mich einfach treiben zu lassen. Madrid ist überschaubar. Und nette Läden, Markthallen etc. entdeckt man so am besten. (Tipp: Codo3 in der calle del Codo 3, die Markthalle San Miguel und dort einen neuen Wermuth trinken. Achtung: Beschwippsungsgefahr am mittag!).

 

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