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Und erst fein fegen

September 27, 2016 0 comments

Der Regen, der zwar lange ersehnt und ja auch wirklich, wirklich wichtig ist, dauerte doch länger als erwartet. War das hier wirklich noch das sonnige Mallorca? Doch am nächsten Tag riss der Himmel wieder auf und die Sonne strahlt gewohnt warm. Hach, como si fuera agosto – oder doch eher septiembre, denn es ist nicht mehr so drückend heiß, genau richtig für einen schönen Ausflug.

Nicht zu weit, etwas laufen und mit kleiner Schwimmoption bitte! Die Ecke um Paguera und Andratx ist wenig erkundet von mir – vielleicht sollte ich mir das Fleckchen mal genauer anschauen. Ein Piratenausguck bzw. Wachturm in luftiger Höhe mit Blick auf die Bucht von Paguera und Camp de Mar klinkt verlockend.

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Cala Fornells, hier geht es los.

Kinderfreundlich ist er auch, der Weg, laut Wanderführer. Und tatsächlich begleiten mich viele mallorquinische Familien mit ihren Kindern. An den Villen der Paguera-Ausläufer vorbei, bis zu einem Waldparkplatz und von dort führen die Wege zuerst eben, dann etwas steil, den Berg hinauf. Zwei Männer laufen vor mir, einer von beiden schiebt einen Kinderwagen über den gerölligen Waldboden. Mutig, finde ich. Wird also sicher nicht so hart werden. Die beiden biegen allerdings bald links ab Richtung Badebucht. Ich will mir den Badespaß erst verdienen und laufe weiter geradeaus. Verlaufen kann man sich hier nicht wirklich, denn am Ende ist der einzige Gipfel mein Ziel.

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Ein paar felsige Meter später bin ich auch schon am Ausguckturm, der zu einer Reihe von Wachtürmen aus dem 15. Jahrhundert gehört. Eine Familie rastet im Schatten, ich laufe noch weiter bis an die Spitze der Felsen. Bis ganz nach vorne wage ich mich, taste mich vorsichtig an den Rand und schaue runter.

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Ehrfurcht und ein ganz klitzekleiner Schauder überkommt mich dabei. Mir erzählte mal jemand, der an starker Höhenangst leidet, dass eine undefinierbare Sehnsucht einen dann Richtung Abgrund zieht. Ein wenig kann ich es nachempfinden. Wie wäre der freie Fall? Kein Mensch würde mitbekommen, wo ich bin, hier ist jeder für seine Sicherheit selbst verantwortlich. Ich gehe also fix ein paar Schritte zurück und bleibe hinter stabilen und schützenden Felsen stehen, um eine kleine Selfie-Runde von mir und den wunderschönen kleinen Inselgruppen zu machen.

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Das Meer glitzert tief unten, ein kleines Boot dümpelt, es blendet mich fast beim Hinschauen. Schön! Der Blick kann schweifen, auf der einen Seite erahnt man die Bucht von Palma, rechts davon erkenne ich das Restaurant mit Steg vom Strand von Camp de Mar. Der Strand ist ein bunter Flickenteppich von Sonnenschirmen.

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Ich drehe dem Traumausguck den Rücken zu und gehe zurück. Den Piratenturm möchte ich besteigen, aber es gibt keinen Eingang oder Treppe. Der Abstieg zurück ist kurz und recht einfach. Jetzt baden. Wohin sind die beiden Männer mit dem Buggy vorhin entschwunden? Cala d´en Monjo heißt sie und liegt neben der etwas belebteren Cala Fornells.

Die Schilder wurden abmontiert aber jemand hat mit schwarzem Edding netterweise den Namen darunter gekritzelt. Die Bucht ist zweigeteilt. Links haben es sich die Nackedeien gemütlich gemacht, in einer kleinen Höhle liegt auch ein Schild „playa nudista“, aber das merke ich auch schnell selbst.

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Es scheinen Stammgäste, einige Deutsche, zu sein. Die mitgebrachten Liegen auf den kleinen flachen Felsen sind ordentlich bespannt, die Decke für den Pudel wird sorgfältig unter den Liegen ausgebreitet, damit er im Schatten liegen kann. Trauben werden gereicht, dann folgt ein Bad zum Abkühlen. Eine Gruppe von zwei Spanierinnen und einem Spanier liegen auf einem großen Betonrohr. Sie haben den Königsplatz und sehen alles. Auch den älteren deutschen Residenten lassen sie nicht aus den Augen, der sein ganz eigenes Ritual für seinen Sonnenplatz hat. Zuerst grüßt er freundlich die Pudel-Truppe. Man scheint sich zu kennen. Dann holt er aus seiner Tasche einen kleinen Kehrbesen und fegt sorgfältig den Felsen, auf dem er dann zuerst eine dünne Matte, dann ein weiteres Laken und noch eins und dann sich selbst plus aufblasbarem Kissen bettet. Die Spanierinnen schauen gebannt zu. Solche Gründlichkeit findet man nicht an jedem Strand. Sie staunen, flüstern sich Dinge zu, lächeln ein wenig. Deutsche Gründlichkeit, werden sie sich denken. Ein wenig skurril mutet es schon an und gleichzeitig auch rührend. Ich ergattere auch einen wunderschönen Felsplateau-Platz, meine Sachen kann ich zum Trocknen in die Bäume hängen, die Bucht habe ich von hier im Blick.

Jetzt aber nichts wie rein ins Wasser. Eintauchen und abtauchen und erfrischen!

Mein Fazit

Ein Wandertipp für Familien, auch mit kleinen Kindern. Die Mutigen können bis an die Spitze laufen, alle anderen machen es sich unter dem Wachturm für eine kleine Rast gemütlich oder wählen einen der vielen tollen Aussichtsfleckchen. Zur Belohnung gibt es dann Badespaß in einer der Buchten. Der Aufstieg ist etwas steiler, feste Schuhe mit guter Sohle sind empfehlenswert. Bei Hitze auf jeden Fall genug zu Trinken mitnehmen, denn man kommt ins Schwitzen. Ich empfehle einen Sundowner oder Aperol Spritz für die Genießer am Ende der Tour auf der Terrasse des Hotels der Cala Fornells – auch für Besucher geöffnet!

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