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Wann endet der Frühlingsschlaf?

April 23, 2020 0 comments

Ich weiß inzwischen gar nicht mehr, wo ich ansetzen soll. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, eine Art regelmäßiges Corona-Tagebuch (man mag den Begriff schon gar nicht mehr schreiben, lesen oder hören) zu führen. Aber abends war ich oft zu übersättigt von dem Thema, um mich in meiner Freizeit noch freiwillig damit auseinanderzusetzen.

Ich gehöre zur Berufsgruppe „systemrelevant“ (auch dieser Begriff ist umstritten, ich weiß). Ich schreibe für die deutsche Community auf Mallorca über die Geschehnisse vor Ort. Segen oder Fluch, was die Presse zurzeit betreibt, das soll jeder selbst entscheiden. Ich empfehle jedem, seinen persönlichen Lesefilter, oder seine Presse-Firewall streng einzustellen und selbst gut zu prüfen, was man da gerade liest. Das erzieht zusätzlich zu kritischem Denken. Mal ein paar Meter Abstand vom Bildschirm nehmen, bevor man alles glaubt, was dort verbreitet wird und was vor allem in hitzigen Foren „debattiert“ wird, die Schlammschlachten oft gleich kommen.

Nein, ich wollte vielmehr meine Gefühle oder Stimmungen hier festhalten, denn so eine Situation werden wir alle hoffentlich so bald nicht mehr erleben. Ich wünsche mir sehr, dass wir in nicht allzu ferner Zukunft uns ungläubig die Augen reiben, wenn wir an den Frühling 2020 zurückdenken.

Spanien hat es hart getroffen und alle hier Lebenden bekommen das sehr deutlich zu spüren. Viele, viele Fragen tauchen bei dem Thema auf, über Sinn der Maßnahmen, Eigenverantwortung, Schuld. Ich selbst komme manchmal aus dem Strudel an Gedankenkarussel selbst nicht mehr heraus. Ist es gerechtfertigt, dass viele Menschen in spanischen Großstädten per U-Bahn zur Arbeit fahren, dort ohne nötige Schutzmasken und ggf. Abstand arbeiten, während man im privaten Umfeld die eigenen vier Wände nicht verlassen darf? Hier habe ich für mich mit einem klaren „Nein“ entschieden.

Ich war heute einkaufen, die Maske griffbereit und habe mich ein wenig aus meinem engen Radius von Müller, Biomarkt und üblichem Gemüseladen herausgewagt, immernoch natürlich Palma Stadtkern, aber mal ein paar Meter weiter, um Lebensmittel zu kaufen. Das ist erlaubt und ich weiß, dass ich dabei niemandem schade. Aber die Angst ist immer präsent, das fast schon schlechte Gewissen, überhaupt draußen zu sein. Darf ich hier entlanggehen, sollte ich nicht den allerkürzesten Weg nach Hause nehmen, darf ich kurz stehenbleiben und mich unterhalten? Es macht traurig zu beobachten, wie diese Unsicherheit und Verunsicherung in uns kriecht. Ich versuche sie abzuschütteln. Bei jedem Schritt, den ich forsch durch die Altstadt setze, sage ich mir innerlich: Du. Darfst. Das.

Leere Altstadtstraßen – noch nie habe ich das so gesehen. Und ja, ich gebe zu, ein Teil von mir liebt diese Ruhe.
Einmal Palo bitte. Der hat angeblich heilende Kräfte gegen das Virus.

Es tut mir gut, die kleine Runde an der frischen Luft. Ich hungere nach Eindrücken, die nicht nur meine Wohnung, der bekannte Innenhof, die Dachterrasse sind. Ich dürste förmlich nach Gesprächen mit anderen Menschen, ohne Bildschirm dazwischen, ohne Telefonhörer am Ohr, ohne Ladentheke als Grenze.

Ich habe aber auch festgestellt, wie gut ich über einen längeren Zeitraum mit mir selbst klarkommen kann. Wie tatsächlich dieser Zwangszustand auch bei mir eine gewisse Ruhe reinbringt. Wenn man nichts unternehmen kann, ist man zum Innehalten gezwungen. Ich habe meine Arbeit, für die ich sehr, sehr dankbar bin in diesen Tagen. Ich habe Platz. Ich habe Licht und Sonne. Ich habe eine Terrasse zum ausweichen. Das ist schon sehr viel. Das weiß ich sehr zu schätzen.

Das tägliche „Streicheln“ der Lavendelblüten, auch das gehört zum täglichen Corona-Ritual.

Ich habe gehäkelt, ich habe gekocht was das Zeug hält, habe Brot gebacken, Sauerkraut hergestellt und mit den bloßen Händen den harten Weißkohl geknetet und gestampft, ich habe genäht. Aber das Beste: Ich habe mir ein paar Wochen vor der Ausgangssperre ein Klavier gekauft. Der Zeitpunkt hätte nicht besser sein können. Ich übe und übe und hoffe, dass es mir die Nachbarn nachsehen. Die Finger werden flinker und wieder beweglicher, Erinnerungen an früher beim Klavierspielen kommen hoch. Ich bin dankbar, dass meine Eltern mich zum „Durchhalten“ ermutigt (höhö, oder besser gesagt, sanft „getreten“) haben, es ist viel davon hängengeblieben, was ich jetzt hervorkramen kann.

Es sind sechs Wochen, seitdem die Menschen in Spanien nicht raus dürfen. Ich bemerke Eigenschaften an mir, die mir gar nicht gefallen. Beim Einkauf beäuge ich skeptisch den Mann, der eine alte Plastiktüte locker und leer schwenkt. Das ist doch bestimmt ein Fake, denke ich mir. Und warum sitzt der Mann da drüben so entspannt auf der Parkbank und hört sogar noch Musik?? Der darf das doch garnicht…man wird argwöhnisch, eng, obwohl man eigentlich nur jedem genau das gönnt: sich ungestört auf eine Parkbank setzen zu dürfen, ohne sich Gedanken zu machen, ob die Polizei vorbei kommt.

Und ein Teil in mir möchte immer mehr rebellieren, möchte zeigen, dass man sich verantwortungsbewusst verhalten kann, nicht gleich bei einem „die Türen sind wieder offen“ in Massen rausrennt, sich in volle Bars setzt oder wilde Feste feiern möchte. Ich glaube, die meisten sind inzwischen sehr müde, viele in ihrer Angst gefangen. Der Flughafen auf Mallorca wird für die Massen noch lange dicht bleiben. Das ist einerseits tragisch für die Wirtschaft, aber auch ein Schutz, den ich befürworte. Lasst erst einmal die hier lebenden wieder ihre Nase rausstecken, bevor die Fincabesitzer aus dem Ausland kommen. Lasst uns erst einmal eine Runde alleine am Strand drehen, in den Bergen. Lasst uns zaghaft wieder das Miteinander da draußen erproben.

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