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Ein Winter auf…

Januar 18, 2017 0 comments

Viele kennen das Büchlein der berühmten Geliebten von Chopin, George Sand, die mit Mallorca im Winter nicht warm wurde – im warsten Sinne des Wortes. Die weltgewandte, für ihre Zeit unglaublich fortschrittliche Frau aus Paris hatte sich die Wintermonate mit ihrem Geliebten und Kindern romantisch und mild vorgestellt. Es kam ganz anders, Chopin hustete nur so um die Wette und war unleidlich, sie fand die Mallorquiner ungehobelt und schrecklich verschlossen, nur ihr Sohn zeichnete ganz fabelhafte Bilder der mallorquinischen Landschaft und Feste, doch nach wenigen Wochen reisten sie wieder ab, dafür mit einigem an Bitterkeit über die angebliche Rückständigkeit der Mallorquiner im Gepäck.

Ich finde Mallorca im Winter ganz wunderbar. Die sonst überlaufenen Orte wie zum Beispiel Valldemossa sind leer, die Strände ebenfalls, Palmas Altstadt quillt auch nicht aus allen Nähten.

Wer gerne wandert, für den ist jetzt DIE Zeit hier. Es hat gestern geschneit, die Berggipfel sind weiß und wer sich in die Höhen der Tramuntana hochwagt, kann mit etwas Glück eine richtige Schneedecke und Winterspaß wie „dahoam“ erleben. Freunde von mir waren vor zwei Jahren auf dem Berg Massanella und rodelten dort fröhlich runter.

Ich erinnere mich, dass ich in meinem ersten Winter auf Mallorca nach Alcudia an den Strand gefahren bin, weil ich Lust auf etwas anderes hatte. Dort schlug mir jedoch tatsächlich die winterliche Tristesse mit dem Schlaghammer entgegen. So zumindest habe ich es noch in Erinnerung. Die Lokale verrammelt, fast alle Cafés geschlossen, die Fensterläden waren dicht und die Häuser schauten mich mit großen, traurigen grünen Fensterlädenaugen an. Lebt hier denn niemand im Winter?, fragte ich mich damals.

Inzwischen sehe ich diese Tristesse mit anderen Augen, beziehungsweise ich sehe sie nicht mehr als Tristesse, sondern als willkommene Ruhe vor dem großen Andrang, der sich ja in wenigen Monaten schon wieder ankündigen wird. Es stimmt, das ein oder andere nette Café mehr könnte im Winter offen haben, Menschen auf der Straße tun ein wenig Gemütlichkeit auch ganz gut…aber ich genieße sie sehr, diese Ruhe vor dem Sturm. Ich mag es auch ganz gerne mal etwas frischer (draußen, wohlgemerkt), jetzt leuchten die Zitronen- und Orangenbäume, was gestern bei dem leichten Schneegestöber schon ein besonderer Anblick war.

Und wenn es so richtig schön knackig kalt ist, gibt es warme Maronen, die zur Zeit in Palma auf den Straßen verkauft werden. Die Weihnachtsbeleuchtung in der Altstadt oder der 31 de diciembre leuchtet noch wunderschön, rebajas sind auch noch im Gange…

Wer es gerne muckelig warm hat, kann sich einen Besuch in der Sauna gönnen. Das habe ich gestern auch getan, und es mir im Hotel Lindner in Portals Nous gut gehen lassen, mit Schwimmbad, Whirlpool und verschiedenen Saunen (auch eine Frauensauna). Zwischendurch in entspannenden gender-unverträglichen Zeitschriften wie „Bild der Frau“ aber auch „Spiegel“ stöbern, einen warmen Tee trinken, auf der Liege im Halbdunkeln dämmern, bevor es zum nächsten Saunagang geht. Ich mache ungern Schleichwerbung, aber die zehn Euro waren hier gut investiert.

Gerade schaue ich aus dem Fenster. Heute abend steigt eigentlich die große Party zu San Sebastián, dem Schutzheiligen von Palma, aber es regnet schon den ganzen Tag. Das tue es schon seit Jahren, versichert mir mein Freund, pünktlich zum Fest des Heiligen. Ein großer Jammer, denn zig Bands wollen heute abend und nachts spielen, die Bühnen sind aufgebaut, aber die wasserscheuen Mallorquiner gehen dann ungerne vor die Tür. Wenn er abstimmen könne, wäre er dafür, die Feier in den sonnigen Mai zu verlegen, meint, er.  Auch heute scheint es, als müssten wir unsere Würstchen oder Fleischstücke im Regen brutzeln.

Aber abgesehen davon, weiß  ich gar nicht, was diese George Sand damals hatte… Ein Winter auf Mallorca – un hiver en Majorque, das ist einfach wunderbar!

 

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