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Sie tanzen wieder, die Teufel

Januar 21, 2017 0 comments

Langsam und behäbig schieben der ältere Mann und die Frau links neben ihm den hölzernen Stiel auf und ab, immer wieder, auf und ab. Der Stiel steckt in einem kleinen, mit Fell bespannten Tongefäß. Die Finger müssen leicht angefeuchtet sein, dann ertönt bei rhythmischem, gleichmäßigen Bewegen des Holsstiels ein Geräusch, das fremden Ohren wirklich fremd erscheint. Ein tiefer Klagelaut, ein wenig nach Didgeridoo, nicht ganz so tief und brummend. Die Musikanten scheinen an dem Gerät nichts außergewöhliches zu finden. Unbeirrt zirpen sie darauf herum, die Menge schaut ebenso andächtig, das mallorquinische Fernsehen filmt.

 

Wir sind in Sa Pobla, dem Ort der Kartoffel, aber auch dem Ort des Heiligen Antonios, in dem am 16. Januar die Teufel los sind. Mit ihren riesigen roten Schwellköpfen ziehen sie majestätisch durch die engen Gassen des Ortes. Die großen Lagerfeuer, die wie Scheiterhaufen aussehen, sind vorbereitet. Es gibt Espinagades, die typische mit Fisch gefüllte Empanada, die es nur an San Antoni zu essen gibt.

Wir haben leckern Wein aus der Bodega Can Novell aus Binissalem mitgebracht. Den Bodeguero haben wir gleich mitgenommen zum Feiern. Wir versammeln uns rund um den Hauptplatz, im Rathaus werden derweil auf mallorquinisch religiös anmutende Texte verlesen, von einer Stimme, die aus dem Off zu kommen scheint. Die Menge auf dem Platz ist aufgekratzt, alle trinken, essen, viele Kinder sind dabei.

Dann zieht sie ein, die Teufelparade. Kein wildes Hüpfen, wie es in Palma ein paar Tage später sein wird. Ruhig nähern sie sich der Menge, die Riesen, die Giganten, sind ebenfalls darunter. Wir wollen natürlich ein Foto mit einem Teufel. Ich hätte gerne den mit der großen knorrigen Nase, der gefällt mir am besten.

Dann gibt es noch ein Feuerwerk, synchronisiert zur Musik. Andächtiges Schauen in den Himmel, Nippen am Wein.

 

Und weil es immer gut ist auf Mallorca einen oder zwei oder drei Mallorquiner mit Connections zu anderen Mallorquinern zu kennen, sorgte der Bodeguero dafür, dass wir am Ende leckere Butifarras mit geröstetem Brot und hiesigem Wein an einem der brennenden Baumstämme und Straßengrille bekamen.

Ein wenig Sorge machte ich mir um mein Auto, das nur wenige Meter von den meterhohen Flammen parkte.

Aber Ende gut, (fast) alles gut. Der Kater am nächsten Tag erinnerte mich ein wenig schmerzlich an die nächtliche Feierei.

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