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In die Pilze

Oktober 20, 2016 0 comments

Vor zwei Wochen war ich schon einmal im Wald. Nix gab es da an Pilzen. Wir waren wohl einfach zu früh dran. Jetzt sind wir ein zweites Mal losgezogen und siehe da, sie sind in der Zwischenzeit gesprossen und ich konnte ein paar leckere Exemplare im Körbchen mit nach Hause nehmen.

Ein Freund, der sich mit Pilzen auskennt, nahm mich mit. Sonst hätte ich das niemals gemacht, sogar jetzt beim Essen habe ich vorher die Pilze skeptisch angeschaut, mein Leben innerlich kurz Revue passieren lassen und sie dann doch tapfer runtergeschluckt. Natürlich nicht ohne sie vorher lecker anzubraten.

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Hinter den Bunyola, immer weiter die Kehren hoch Richtung Orient und irgendwann ab nach rechts in die Büsche und Bäume, dort fanden wir sie. Die verbudedelten weißen Russulas, die Bolets der Balearen, die Täuberlinge oder wie sie alle heißen. Irgendwie sehen sie für mich teilweise alle gleich aus. Mit viel Geduld erklärte mir Mateu, was es mit den Pilzen so auf sich hat. Wir stiefelten langsam durch das Dickicht. Ich fühlte mich wie beim Ostereiersuchen, es war ein wenig spannend, wer von uns entdeckt den ersten richtigen Pilz?

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Essbar? Eher nicht…

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Wenn keine Pilze in Sicht sind, dann pflücke ich eben die hier.

Kleine gab es einige. „Die taugen nix“, meinte Mateu. Essen könne man sie vielleicht, aber sicher sei er sich nicht. Ein spanisches Sprichwort sagt „Ante da duda, a la basura“. Wenn man nur den kleinsten Zweifel hat, niemals essen, am besten gar nicht erst ernten.

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„Schau mal, da hinten sind große weiße mit leicht tropfenartigen Rändern um den Pilzhut“, rief Mateu. Sie sahen wirklich schön aus, wir ließen sie allerdings stehen…auch den goldbraunen Pilz der sich am modrigen Stein entlanghangelte, lecker sind die alle nicht. Was in unserem Körbchen landete waren lupenreine Exemplare balearischer Speisepilze. Jetzt nagelt mich bitte nicht fest, welche genau es waren. Pilzkenner dürfen sich hier jetzt kreativ betätigen…

Plötzlich hält mich Mateu am Arm fest. „Nicht weiterlaufen“, sagt er. Gibt es ein Reh, ein wildes Tier, habe ich etwas übersehen? Vor uns ist ein kaum sichtbarer kleiner Erdhügel. „Grabe mal vorsichtig da, du wirst schon sehen“, meint er. Ich hocke mich hin, grabe ein wenig, schrecke zurück, weil ich nicht weiß, was mich dort erwarten soll. Mateu lacht, „los, keine Angst.“ Unter meinen Fingern spüre ich etwas festes, etwas weißes taucht auf. Ein unterirdischer Pilz! Na sowas. Die Exemplare, die wir finden, sind teilweise noch sehr klein, wir lassen sie daher noch ein wenig in der Erde ruhen und wachsen. Zwei graben wir vorsichtig aus, denn sie sind reif und können geerntet werden. Das hier ist aber was für richtige Kenner, oder? frage ich Mateu. Er zuckt bescheiden mit den Schultern. Ich hätte den Hügel niemals entdeckt. Danach vermute ich allerdings unter jeder kleinen Erhebung ein Pilzimperium. Beim Graben stoße ich aber nur auf Erde und krümelige Äste. Ich muss meinen Pilzblick noch ein wenig trainieren.

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Vorsichtig pinsele ich die Pilze ab.

„Und immer in einem Korb die Pilze sammeln“, meinte mein Bekannter. Die Pilzsporen fallen beim Sammeln herunter und verteilen sich so im Waldboden – die Verbreitung ist also gesichert und man hilft bei der Pilssuche indirekt dabei, das sich die Pilze vermehren können. Mateu hatte ein kleines Pilzmesser dabei, mit Pinsel. Ich war tief beeindruckt. „Immer schön tief abschneiden vorsichtig, und niemals mit Gewalt ausreißen.“ Am besten sollte man die Erde danach wieder gut zudecken, Pilzreste auch vor Ort lassen und die Erde mit dem Pinsel abstreichen. Alles was im Wald bleibt, hat einen Sinn und hilft dabei, dass nächstes Jahr wieder Pilze sprießen.

Auch wenn wir nicht die Massen nach Hause trugen, der Wald ist jetzt wunderbar. Vom Regen waren die Blätter frisch und nass, die kleinen roten Beeren, die angeblich betrunken machen, wenn man viele davon isst, sind reif. Das Moos auf den Steinen leuchtet und ich mag den Duft im Wald. Ruhig ist es auch, wenn man mal die Motorräder, die die kurvige Strecke von Orient nach Bunyola ausnimmt.

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Wir grasen den Hügel ab, drehen eine kleine Runde und kehren zum Auto zurück. Die Beute reicht für eine leckere Mahlzeit. Ich putze sie zu Hause vorsichtig. Bei einigen komme ich nicht drumherum, sie abzuwaschen oder sogar ganz die Haut zu lösen, sie sind einfach zu erdig. Ab in die Pfanne damit mit ein wenig Butter oder Öl und leicht salzen – fertig. Beim Kauen denke ich kaum noch daran, ob das jetzt wohl gut geht. Es schmeckt und ich bin auch heute, einige Tage später, wohlauf.

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Unsere Ausbeute im luftigen Körbchen. Ich fühle mich wie Rotkäppchen.

 

Pilzfreunde können sich im Buch Els bolets de les Balears von Constantino und Siquier, den beiden Pilzexperten auf Mallorca, ein wenig einlesen. Das Buch ist schön bebildert, zweibändig und auf Katalanisch.

Im Naturkundemuseum von Sóller finden regelmäßig Veranstaltungen für Pilzfreunde statt.

Am besten immer jemanden mitnehmen, der sich auskennt. Niemals alleine einfach ernten!! Bei Fragen oder Sorge einer Vergiftung die Notfallnummer 112 wählen oder sich bei der Zentrale für Intoxicaciones in Madrid unter Tel: 915 620 420 informieren. Der Pilzexperte Siquier sagt, dass bei Beschwerden, die erst einige Stunden nach Verzehr auftreten (Übelkeit, Erbrechen, Schwindel etc.) absolute Eile geboten ist. Schnell handeln, Notruf wählen!!

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